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Anmerkungen, Fakten & Bedenken zu "(Nutz-)Hanf-Cannabis-Marihuana-Haschisch-Peace-THC-Gras-Pot-Shit"

Sehr geehrte Damen & Herren

Im Namen einer ausgesprochen kultivierten, anspruchsvollen und differenziert denkenden Gruppe Schweizerinnen und Schweizern nehme ich stellvertretend die Gelegenheit war, den Nationalrat eindringlich an seine generelle Verantwortung zu ermahnen. Wir sind empört über die ignorante Haltung zu diesem wichtigen Thema.

Ein grosser und bunter Kreis Bekannter, Freunde und Verwandter des hier Schreibenden mit eben so bunter Gesinnung von politisch links bis rechts, von "arm bis reich", lebt mit Menschen zusammen, die teilweise seit über 25 Jahren zu den mehr oder weniger regelmässigen "Kiffern" in diesem kleinen Lande gehören. Mit dem von gewissen Kreisen bewusst geschürten, ketzerischen und proletarischen "Schmuddel-Image" des sogenannten "Haschers" haben wir allerdings nichts gemeinsam und setzen uns immer und überall gegen die Verteufelung und Vorurteile dieser uralten Heil- & Nutzpflanze (und anderen Ungerechtigkeiten) ein. Die Beweggründe sind vielfältig. Schockierend finden wir den exponenziell zunehmenden Extremismus bei Cannabis-Gegnern und Befürwortern, der geradezu absurde Blüten treibt!

Die Botschaft vom Teufelskraut - und damit der Zusammenhang mit Sucht, Kriminalität, Verelendung - sitzt hartnäckig in den Köpfen derer, die Angst vor dem Faktor "unbekannt" haben.

Wie froh bin ich darum, bereits in den ersten (Primar-)Schuljahren unbefangen Bekanntschaft mit Cannabis gemacht zu haben, als in unserer Schulgärtnerei an der Simme zu Erlenbach schuleigener Hanf kultiviert wurde, der uns Kindern mit seinen wunderschönen Blättern schon damals faszinierte. Wie froh bin ich darüber, dass mich meine Verwandtschaft darüber aufklärte, dass schon mein Urgrossvater seine sogenannte "Sonntags-Pfeife" (mit Zusatz) einem sonntäglichen "Schnaps" vorzog und die Einwohnerschaft des Simmentals - so liess ich mir zu meiner eigenen Verwunderung mehrfach erzählen - ein anscheinend über 150-jähriges Verhältnis zu diesem reinen Naturprodukt hatte und teilweise immer noch hat.

Mit Verlaub - unsere Ur- und Grossväter sahen das Gefahrenpotential des Hanfs sehr viel nüchterner. Sie hätten ihre staatlichen Autoritäten gutgelaunt angelacht, wäre das Sonntagskraut als Droge, Rauschgift oder Einstiegsdroge deklariert worden.
Das Gefahrenpotential als Rauschmittel im objektiven Vergleich zu andern "weichen Drogen" wie Kaffee, Alkohol, Tabak oder Medikamenten/Psychopharmaka (meine Mutter war über 15 Jahre - amtlich bewilligt - schwer "Valium"-süchtig!!!) steht in keinem Verhältnis zur neu aufflammenden Repression gegen Cannabis-Freunde, wie sie im Wunschdenken gewisser Entscheidungsträger verankert ist.

Der Gebrauch psychoaktiver Stoffe - dazu gehören z.B. Kaffee, Tee, Tabak, viele Pilze und Kräuter, div. Aphrodisiaka wie Guarana, Maca(Lepidium Meyenii), Hanf und viele Substanzen, die von indigenen Volksgruppen oder Naturvölkern im Alltag Verwendung finden - werden sie nun Rauschgift oder Genussmittel genannt - können nur in der Wechselbeziehung gesellschaftlicher, politischer und individueller Prozesse verstanden werden.

Ein klassisches Beispiel vergangener Geschichte zeigt auf, dass Kaffee bei der Einfuhr in Europa im 16. und 17. Jahrhundert eine Drogenkrise auslöste. Das Teufelszeug namens Kaffee hätte verboten werden sollen, auch in der Schweiz! Glücklicherweise verlor die Gesellschaft nach einem ähnlichen "Raunen durch die Menge" (wie heute durch Cannabis) die Angst vor dieser Unbekannten.

In Schröters "Schatzkästlein der Pflanzenheilkunde" (Basel 1911) können wir nachlesen, wofür Hanf in der Medizin unter anderem eingesetzt wurde. Eine unglaubliche Vielfalt an heilender Wirkung, die ich hier unmöglich alle auflisten kann.

Fakt ist, dass die USA (aus Patentschutz- und wirtschaftlichen Gründen) THC seit 1980 in grossem Umfange synthetisch(!) herstellt und zur erfolgreichen Behandlung von grünem Star, gewissen Krebsarten, gegen Anorexie bei Aids-Kranken, sowie gegen grampositive Bakterien (sozusagen homöopatisches, "pflanzliches" Antibiotika) für sehr teures Geld offiziell verkauft.
Im Gegenzug versucht die USA auf der ganzen Welt (auch auf die Schweiz!) Druck gegen diese Heilpflanze zu machen und Desinformation zu schüren. Kein Wunder, sind sie doch der eben alleinige Hersteller von patentiertem, künstlich-synthetischem(!) Canabinol/THC zu Heilungszwecken. Ebenfalls Fakt ist, dass künstliches US-Medizinal-THC bei Patienten nicht wenige Nebenwirkungen zeigt, während bei pflanzlichem THC Nebenwirkungen gänzlich unbekannt sind.

Natürliches THC erweitert die Bronchien. Als Aerosol inhaliert, wirkt es vorzüglich. Schmerzlinderung bei Migräne und aussergewöhnlich starken Menstruationsbeschwerden. Am wirkungvollsten erweist sich Cannabis bei Multiple Sklerose (MS), Spastizität und Rückenmark-schädigungen. Ausserdem bestens geeignet gegen Magersucht (da stark appetitanregend). Auch in der chinesischen und indischen (ayurvedischen) Medizin wird Cannabis mit grossem Erfolg eingesetzt.

In Deutschland, Frankreich, England, USA und der Schweiz wurden von 1845 bis 1951 zahlreiche Medikamente mit Hanf als Hauptinhaltstoff von den Schulmedizinern verordnet. Die Indikatoren umfassten damals Krankheiten wie Rheuma, Schlafstörungen, Hühneraugen, Warzen, Gicht, Asthma, Kopfweh, Nieren- & Blasenleiden, Arterienverkalkung, Nervosität und vieles mehr. Es wurden breit abgestützte und ausreichend wissenschaftliche Beweise erbracht, dass bei Folgen der Chemotherapie und bei Glaukom kein verträglicheres und wirkungsvolleres Mittel als THC existiert.

Mit Genugtuung konnten wir die Ergebnisse um die Schweizer Forschergruppe von Dr. Maya Maurer und Prof. Dr. Adolf Dittrich nachlesen, die erstmals konkrete Beweise lieferten, dass sich THC besser zur Behandlung von Epilepsie eignet als Codein, da es besser "greift" und zudem in hohen Dosen wesentlich verträglicher ist. Dennoch werden in vollem Bewusstsein unseres aktuellen und umfassenden Wissensstandes zu Cannabis absurde, politische und rechtliche Entscheide gefällt, die (natürlich) zur illegalen Selbstmedikation führen und zu guter Letzt die entsprechenden Personen zu Kriminellen abstempeln.
DIES sind die wirklichen Drogenprobleme! Sie werden nicht durch die Konsumenten, Geniesser und Heilbedürftigen in die Welt gebracht, sondern durch wenig kluges Agieren der verantwortlichen Entscheidungsträger. Durch Politiker, die - wie im Herbst 2003 vor den Wahlen und am 14. Juni 2004 erneut eindrücklich bewiesen - noch nicht mal fähig sind, die beängstigend polarisierte Stimmung (in ihren eigenen Reihen) durch sachliche Diskussionen im Parlament einer längst fälligen und tragfähigen Kompromiss-Lösung zuzuführen und damit auch das Rechtswesen wie Polizei und die Gerichte wesentlich zu entlasten (oder konsequenterweise den Alkohol und Tabakkonsum drastisch einzuschränken, was der Schreiber dieser Zeilen absolut befürworten würde!).

Eine kleine Minderheit von zügellosen Hanfkonsumenten leistet dem negativen und verzerrten Bild des Hanfes Vorschub, stiftet Verwirrung und liefert die "Beweismittel", die ebenfalls von einer kleinen Minderheit des Bürgertums schamlos und mit Vorliebe ins Schlachtfeld der unsachlichen Diskus-sionen einfliessen. Dabei bleiben die wirklichen Beweggründe "sich gegen den Hanf zu stellen" meistens diffus und ohne erkennbar handfesten Argumente.

Da hält sich z.B. das neue und vermehrt von Gegnern benützte Argument hatnäckig, das Hanfkraut sei heute "um ein Vielfaches stärker, als früher". Diese Behauptung ist zwar teilweise richtig, erfasst aber auch nicht die ganze Wahrheit. Während heute sehr viel "Gras" geraucht wird und "Haschisch-Harz" (Konzentrat der Hanfblüte in Stückform) eher nicht mehr so populär ist, wurde in den 70ern und 80ern viel mehr Haschisch in Stückform als Gras geraucht und dieses "Peace" enthielt min. soviel, wenn nicht höhere THC-Werte. Es kann also niemand behaupten, dass faktisch auch nur die geringste Mehrgefährdung durch stärkere Ware besteht. Ausserdem ist eben die Dosierung auschlaggebend oder ist dem Lesenden eine einzige Person bekannt, die eine Flasche Whisky wie eine Flasche Bier trinkt?

Mache ich mir ganz pragmatisch Gedanken zum Gefahrenpotential, schiessen mir geradezu Unmengen von Fakten durch den Kopf, die im Vergleich zu Hanf nicht widersprüchlicher sein könnten.
Nachfolgend ein paar Beispiele:

  • 40’000 Verkehrstote (!) pro Jahr in Europa (über 300 pro Jahr alleine in der Schweiz!).
    Dazu die fünffache Zahl an Schwerst-, Schwer-, Mittel- und Leicht-Verletzten bis lebenslänglich geschädigten Unfallopfer. Ich habe noch nie davon gehört, dass das Auto verboten werden soll !!! Ich bin selbst begeisterter Autofahrer.
  • Hundertausende, die sich auf legalem Weg rein chemische Psychopharmaka über Hausarzt (teilweise langjährig und unbegründet) verschreiben lassen. (Rein chemische) Substanzen, die zum Teil die charakteristischen Wesenszüge einer Person nachhaltig verändern, beschädigen und dazu die Krankenkassen auf Kosten anderer unnötig strapazieren (dafür horrende Renditen zugunsten der Chemie-Multis, die jährlich vom eigenen vorjährigen Rekordgewinn um markige %-Zahlen getoppt werden). Nicht zu vergessen die stattliche Anzahl Ärzte und hochdotierten Manager aus Wirtschaft und Politik, die sich anscheinend mit Leichtigkeit mit offiziell vebotenen Aufputschmitteln, Morphium und Kokain "über Wasser halten", damit sie überhaupt ihrem Arbeitspensum und dem Leistungsdruck standhalten können.
  • Tausende werden Opfer eines sozialen Abstiegs; zerrüttete Familien durch Akohol-Konsum und Missbrauch, staatlich bewilligt, wohlverstanden! Die CH-Regierung gibt pro Jahr 6,5 Milliarden (!!!) für Resozialisierung, Prävention & Heilung von Alkohol-Geschädigten aus. JEDEr SuchtexpertIn bestätigt, dass Alkohol körperlich schwere Abhängigkeit erzeugen kann, während dies auf Cannabis nicht zutrifft.
  • 5’000-10’000 Tabaktote (nachweislich aufgrund von starkem Nikotin-Missbrauch). In einer Zeit, wo es einfacher ist, Zigaretten als ein Brot zu kaufen (Minderjährige können gänzlich unkontrolliert Raucherwaren rund um die Uhr am Zigarettenautomaten beschaffen!)
  • 100-180 Herointote in CH pro Jahr usw.
  • Was und wieviel wird unternommen um die beängstigend hohen, täglichen Dosen an Gift, Schwermetall- und Antibiotika-Aufnahme durch konventionelle Lebensmittel einzuschränken? Eine äusserst unglaubwürdige Politik, uns weis machen zu wollen, im Sinne von "möglichst vielen, gesunden Bürgern" bestimmte Sachen zu verbieten, während der Interessen-Milionenpoker an andern Stellen ungebremst wuchert und die Bevölkerung (gesundheitlich) in den nächsten Jahren und Jahrzehnten arg dafür büssen wird, was JETZT schief läuft.
  • Zum Schmunzeln brachte mich hingegen ein Telefongespräch mit Butch Stone (US-Manager der grössten Schweizer Band Krokus und Jugendfreund/Weggefährte von Bill Clinton), der mir mal erzählte, dass Clinton noch kurz vor der Wahl zum Gouverneur bei ihm zu Hause "kiffte".
  • "Tausende Künstler, Architekten, Schriftsteller und herausragende Persönlichkeiten waren und sind durch Cannabis inspiriert. Im weiteren ist es absurd und eine Beleidigung der Intelligenz, eine Pflanze als illegal zu deklarieren" (Zitat: Jeremy Narby, Pruntrut JU, Anthropologe).
  • "Wenn eine Pflanze verbannt werden müsste, dann sollte das die Tabakpflanze sein. Diese Pflanze ist giftig und wirkt tödlich, wenn man sie isst. Die Hanfpflanze hingegen könnte man ohne Probleme in die Kategorie der essbaren Pflanzen einordnen. Aber Achtung, auch die Hanfpflanze ist keine harmlose Pflanze, wenn man sie missbraucht. Wir leben in einer Gesellschaft, die geprägt ist von Abhängigkeiten. Der Hanf wird im Gegensatz zu andern Abhängikeiten nicht schlimme soziale Probleme auslösen. Man muss die Öffentlichkeit/Behörden gut informieren, so dass weniger mit abstrakten, emotionellen und moralischen Begriffen herumjongliert wird". (Zitat: François Couplan, Massonnens FR, Ethnobotaniker) An den DIREKTEN Folgen von Cannabis ist bis heute auf der ganzen Welt noch nie eine einzige Person gestorben!!!

Es ist erwiesen (fokussiert man das Ganze auf den Konsum von sogenanntem "Drogen-Hanf"), dass Hanf-Konsumenten, die ausschliesslich Cannabis und keine andern "Drogen" komsumieren, nur äusserst selten zu sozialen Problemfällen werden.
Die verschwindend wenigen Menschen, die "nur mit Cannabis" Probleme haben, würden bei Nichtexistenz dieser "Droge" auf andere Art "abstürzen". Dies konnte ich persönlich bei diversen Reisen in beeindruckender Weise vor allem in Asien beobachten. (Ferien-) Länder, die den Besitz unbedeutender Mengen Cannabis mit jahrzehntelangen Gefängnisstrafen oder gar der Todesstrafe anden... und was machen die (westlichen)"Kiffer" dort? Sie "saufen" sich aus Angst vor diesen Strafen in den Ferien bis zur Bewusstlosigkeit in den Alkohol-Rausch.

Während mir bekannte "ältere Semester" davon berichten, mit dem Cannabis-Konsum Beschwehrlichkeiten und Wehwehchen des Alters zu lindern, schwören andere darauf, ihr "Feierabend-Bier" in Form eines Joints zu inhalieren. Als ex-Raucher, praktisch Nichttrinker, vernünftig Sporttreibenden und sehr auf ausgewogene und gesunde (Bio-) Ernährung achtende Person kann ich meinem Cannabis-Konsum (den ich als reines Entspannungsritual wahrnehme) ausschliesslich positive Erfahrungen abgewinnen. Besinnlichkeit, Nachdenklichkeit, zusätzliche Stimmulanz der Intelligenz, Liebenswürdigkeit, Meditationshilfe und kreative Höhenflüge und Denkprozesse sind die angenehmen Folgen davon.

Damit meine Zeilen nicht zu einem Lobgesang verkommen, bin ich (sind wir) durchaus der Meinung, dass auch Cannabis div. ernstzunehmende Gefahren in sich birgt. Als Musikagent bewege ich mich in realer Nähe zur entsprechenden Szene und kann als wacher Schweizerbürger nur den Kopf schütteln, in welch ungezügelten Mengen die heutigen Jugendlichen der Masslosigkeit frönen. Cannabis stellt da allerdings nur ein unbedeutendes Puzzle-Teil des allumfassenden Konsumierens und Überbordens dar! Es ist kein Geheimnis mehr, dass vor allem bei Menschen im Wachstumsstadium und bei übermässigem Dauer-Konsum Schädigungen entstehen können. Im Unterschied zu Aktivitäten wie dem Autofahren schädigt frau/man sich aber ausschliesslich selbst!!! UND - natürlich sind solch wichtige Erkenntnisse erst dann bei Jugend & Eltern ein ernsthaftes Thema, wenn die Tabuisierung aufgelöst und die kontrollierte Legalisierung realisiert wird. Mir kommen immer wieder die Angst der Kinder und Eltern zu Ohren, zu dem Tabu-Thema behördliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Gruppe junger und immer jünger werdenden Menschen aber konsumiert am unkontrolliertesten und übermässigsten Cannabis und sieht in keiner Weise ein, daran was zu ändern. Daran ist das jetzige Staatswesen in wesentlichem Umfange mitverantwortlich!!! Wenn die gewählten Politiker ihre Verantwortung nur dort wahrnehmen, wo’s sich vorallem zu eigennützigen Zwecken lohnt, kann von der Jugend wohl kaum "erwachseneres Verhalten" erwartet werden.

Ich interessiere mich für die Sorgen und Nöte der Jugendlichen und kann deshalb folgende, von Jugendlichen aufgenommenen und beobachteten Gleichungen sehr gut nachvollziehen: Solange es auf dieser Welt Präsidenten gibt, die andere Länder unter fadenscheinigen Vorwänden präventiv und ungestraft überfallen können (und vom Rest der Welt gar kopfnickend unterstützt oder geduldet werden), solange Politik und Wirtschaft ungehindert "legal kriminellen" Geschäften nachgehen kann, solange es Journalisten anspuckende Bundesrichter gibt, solange es sich. CH-Parlamentarier leisten können, ein dringendes Thema durch "nicht Eintreten" zu tabuisieren, solange eine Bestrafung von Cannabis-Konsum und Bussen an Fahrrad-Fahrern in Fahrverboten wichtiger erscheinen, als der nahende ökologische und soziale Abgrund in den Griff zu bekommen, solange eine Gesellschaft Geldraub-Delikte in der Höhe des Strafmasses über das Leben stellt(!), solange werden immer mehr Menschen sagen: "Spielt eh keine Rolle und man gönnt sich ja sonst nichts!". Die Nicht-Abstinenz wird geradezu im Eilzugstempo gefördert, durch ein verlogenes Verhalten unserer Gesellschaft & Politik nach dem Motto "gleich und gleich ist eben nicht gleich"!

Wie also soll die jüngste Generation CH-Bürger mit immer fatalistischeren Tendenzen die Justiz und Politik unter diesen Umständen respektieren, begreifen, geschweige denn ernst nehmen? Wie sollen Jugendliche vor diesem Hintergrund den Sinn von Gesetzen, die für das geordnete Leben in einer Gesellschaft nötig sind, erkennen? Ich bin über das Verhalten der heutigen Jugend zwar oft schockiert, verstehe aber die Beweggründe nur allzu gut.

Politik und Behörden manöverieren sich selbst in die Sackgasse und erkennen den Zahn der Zeit nicht, oder ungenügend (das gilt in keiner Weise nur für das Thema Cannabis, es ist einfach bei diesem "angeblich brenzligen" Thema nur offensichtlicher erkennbar). Wichtig dabei ist zu wissen, dass die, die zu tief ins Glas gucken (inkl. Regierungs- und Justiz-vertreter), auch mit Cannabis nicht umgehen können und umgekehrt. Die CH-Jugend ist cleverer (und feinfühliger) als allgemein angenommen und hat das längst durchschaut und hält sich demnach auch nicht mehr an die Regeln.

Das Phänomen "zudröhnen" entsteht auch zusehends und in fortgeschrittenem Masse durch den zusehends unerträglichen und immer noch mehr ins Bodenlose zunehmende Druck unserer Leistungsgesellschaft; als Antwort und Signal/Barometer des Müdseins auf Druck, Stress, Geld etc.

Die Problematik von Sucht und Ausfällikeit hängt also primär von der Labilität oder der abgeklärten Persönlichkeit des Konsumenten ab und nicht von der "Droge" an und für sich. Deshalb sind Zeitungsberichte wie "Hascher schlug Passanten nieder!" so unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen, als würde die Milch als Einstiegsdroge zum Trinker-Problem verschrien. Kommt dazu, dass Alkohol bei verschiedenen Charakteren verschiedene Auswirkungen zeigt. Die einen werden redselig oder anhänglich, andere streitsüchtig und agressiv. Cannabis erzeugt ausschliesslich friedliche Stimmung. Wird von Populisten das Gegenteil vorgeführt, ist die (scheinbare) Sachlage entweder unwahr oder es handelt sich um Personen mit Panaschier-Effekt, also einem Verhalten, bei welchem Alkohol, Cannabis und oft verschiedene andere Substanzen vermischt eingenommen werden. Die öffentliche Schuldzuweisung solcher Exzesse kann dann spielend leicht zu 100% dem Hanf in die Schuhe geschoben werden.

Einer dieser Vorzeige-Dilettanten namens Kurt Wasserfallen (zum guten Glück nun ex-Polizeichef der Stadt Bern) kennen wir alle bestens. Seine inflationäre Doktrin "zur Lösung des Problems" ist definitiv Schnee von gestern und seine Haltung wird sich von selbst in Luft auflösen, weil sie nicht auf dem komplexen, alles mit einbezoge-nen Wissensstand beruht. Noch immer gibt es allerdings abertausende von kleinen Kurtli’s, die über etwas reden, was sie alleine schon durch die vehemente innerliche Verweigerung, sich damit WIRKLICH auseinander zu setzen, gar nicht pragmatisch orten, geschweige den verstehen können. Ein riesiges, nicht zu unterschätzendes Problem, das immer wieder unter den Tisch gekehrt wird, ist der illegale Markt, der für weiche und harte Drogen am gleichen Ort stattfindet. "Im einen Hosensack Cannabis, im andern Heroin", bemerkte Pascal Couchepin vor kurzem und hat damit Wesentliches erkannt. "Die grosse Welle" von Schwarzmarkthändlern, die den behördlich angeordneten, ausgetrockneten und teurer werdenden Hanfmarkt mit immer billiger werdendem Kokain noch so gerne auszufüllen gedenken, steht uns in den nächsten 12 Monaten unmittelbar bevor, obschon ich - ausser das es unserer Politik zu verdanken ist, dass die beiden Substanzen immer noch an den selben Orten gehandelt werden - in keiner Weise ein Umsteigen von Cannabis auf Kokain sehe, schon alleine durch das komplett unterschiedliche Klientel und die unterschiedliche Wirkungsweise dieser beiden Substanzen. Trotzdem ist diese behördlich verordnete Entwicklung geradezu pervers und äusserst unverantwort-lich. Es erstaunt deshalb kaum, dass Dealer von harten Drogen neuerdings wieder vermehrt auch Cannabis im Angebot haben. Dank den behördlichen Schliessungen der meisten Hanfläden lohnt sich das Geschäft wieder mehr und mehr. Im Weiteren ist nicht Cannabis der Einstieg zu andern Drogen, sondern der Tabakkonsum der Einstieg zu Cannabis; und solange die Politik sich der Trennung von weichen und harten Drogen verweigert, solange wird sich die Lage in ihrer Dramatik weiter zuspitzen. Alkohol, Tabak und Hanf sind allesamt SOWOHL Genuss- ALS AUCH Rauschmittel, die längst eine gleichwertige, gesetztliche Behandlung verlangen! (Spirituosen sind nebst gewissen Medikamenten die einzigen LEGALEN HARTEN DROGEN!).

Wir müssen lernen damit umzugehen, so wie wir z.B. Laufen und Sprechen lernen müssen. Dabei steht der Satz von Paracelsus "dosis facit venenum" (die Dosis macht das Gift) im Vordergrund. Davon ist unsere Gesellschaft jedoch weit entfernt. Wie die aktuellen (bedenklichen) Diskussionen darlegen, hat sich noch nicht mal eine kohärente, breite öffentliche Meinung herausgebildet. Verunsicherung, Frust, Wut, Energieverschleiss, Leerläufe & Kopfschütteln bei Gegnern UND Befürwortern herrschen vor.

Selbst die Justiz ist des langjährigen Ist-Zustandes überdrüssig. Der Verband schweizerischer Polizeibeamter fordert neuerdings sogar eine "humanere und fortschrittlichere Drogenpolitik". Die junge SVP der welschen Schweiz hat sich erst gerade vor Tagen erstmals (!) am TV für eine Legalisierung des Hanfs ausgesprochen.

Dazu brauchen wir griffige, dem pragmatischen und realen Gefahrenpotential jeder einzelnen Substanz angepassten Gesetze, damit auch das Rechtswesen endlich wieder Zeit hat, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die durch bundesgerichtliche Präjudiz provisorisch festgelegten THC-Grenzwerte wurden (auf welchen Studien und Gründen fussend?) so tief festgesetzt, dass selbst Nutzhanf "gesetzlich" (willkürlich!) aus dem Verkehr gezogen werden kann. Mein Grossvater würde sich im Grabe umdrehen, wüsste er, wo wir heute stehen. Cannabis soll und muss nach THC-Gehalt besteuert werden (Bier, Wein und Spirituosen werden auch unterschiedlich bewertet).

Ein einleuchtendes Beispiel. Der diese Zeilen Lesende soll sich einmal vorstellen, ab sofort wäre Alkohol in der Schweiz verboten. Anstelle von Alkohol gibt’s jetzt überall nur noch Joints zu kaufen. Der diese Zeilen Lesendeist aber am Cannabiskonsum nicht interessiert und möchte gerne ein illegales Bier geniessen. Er wird nicht darum herum kommen, sein illegales Bier beim Heroin/Kokain Händler zu besorgen, der ihn logischerweise auch auf seine "andern Produkte" aufmerksam macht.

Fact ist und bleibt...

40 Mio.(!!!) KifferInnen in der EU (es gibt Quellen die von 45 Mio. sprechen), 8 Mio. in Deutschland (nach anderen Quellen 9 Mio.), 500’000-700’000 in der Schweiz (mit Gelegenheitskiffern wohl über eine Mio. SchweizerbürgerInnen!), nochmals soviele Sympathisanten, sowie eine grosse Zahl von normalen Schweizerbürgern, die zum aktuellen Cannabis-Geschehen im Rechtswesen und Politik nur den Kopf schütteln.

Die aktuelle Drogenpolitik auf politischer und rechtlicher Ebene leistet dem nicht zu verdrängenden Schwarzmarkt und der organisierten Kriminalität in beträchtlichem Masse Vorschub. Die Einzigen, die nach dem Entscheid im Nationalrat wirklich frohlockten, waren die Dealer!

Während man sich in Fachkreisen längst einig ist, dass sich Alkohol und Hanf auf der Ebene psychischer Abhängigkeit kaum unterscheiden, gibt es auf der Ebene der körperlichen Abhängigkeit im Vergleich der zwei Sucht- und Genussmittel einen gravierenden Unterschied: Zu starken Ungunsten des Alkohols! Die Experten sind sich geschlossen einig: Ein Bekiffter ist weitaus weniger gefährlich, als ein Betrunkener.

Die neuste US-Studie (die ursprünglich zum Zwecke einer fortgesetzten Verteufelung des Hanfs in Auftrag gegeben wurde) muss u.a. wider Erwarten zugeben: Die "Abhängigkeits-Gefahren-Hitparade" wird angeführt von...

  • Platz 1 - Nikotin mit 32% Suchtopfern
  • Platz 2 - Heroin mit 23%
  • Platz 3 - Kokain mit 17%
  • Platz 4 - Alkohol mit 15%
  • Platz 5 - Psychopharmaka mit 11%

Seit 1. Sept. 2003 kann in holländischen Apotheken staatlich kontrolliertes Marihuana gekauft werden.

Seit die Hanfpflanze "gar illegal in Ueli Maurer’s Garten eingewandert ist", müsste eigentlich selbst der SVP klar sein, dass die Realität zum Anfassen (oder Ausreissen?) ist.

Im weiteren möchte ich eindringlich an die (nach Einschaltquoten und Auflagesteigerung lechzenden) Medien appellieren, verschobenen Sichtweisen weniger Platz einzuräumen und wieder die Realität in den Vordergrund zu stellen. Ein kleines Beispiel: Würde frau/man rund um den Globus gefragt, was gefährlicher sei, eine Kokosnuss oder ein Hai, würden alle mit Sicherheit antworten, DER HAI! Wahr ist, es gibt nur rund 10 Unfälle mit Haien pro Jahr rund um die Welt. Es gibt aber pro Jahr 150 Tote(!) durch herunterfallende Kokosnüsse. Dieses Beispiel ist auf zig andere (verschobene) Wahrnehmungen anwendbar, auch auf die Verteufelung des Hanfs.

Ich bringe hier als "Winkelried des Hanfs" meine Gedanken zu Papier, bin ein wohlerzogener Bürger mit Respekt und Anstand, lasse mich aber in keiner Weise von der aktuellen Lage irritieren oder einschüchtern und sehe im Umfang meines Tuns als 44-Jähriger kein reales Vergehen, habe demnach ein reines und gutes Gewissen. Weltbekannte und heute hochverehrte Persönlichkeiten wie etwa Nelson Mandela, der durch die lokale Justiz 27 unnötige Jahre seines Lebens unschuldig im Gefängnis sass, nur weil die damalige Behörde diesen Mann als "eine Bedrohung" ansah, ist nur die Spitze des Eisberges.

Wollen Sie eine ernstzunehmende Menge SchweizerInnen, die kein problematisches Verhältnis zu dieser natürlichen Pflanze hat, aufgrund des mehr als wackeligen Agierens unserer Politiker verurteilen, wird das allenfalls erst recht motivieren und aufstacheln, diesen offensichtlichen, politischen und juristischen Missständen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegen zu treten und parallel dazu auch die Gesetze weiterhin und zusehends zu missachten.

Der grösste Teil aktueller Verurteilungen zu Hanf-"Delikten" ist sachlich nicht mehr haltbar, ethisch und medizinisch fragwürdig, fördert den Schwarzmarkt und die Kriminalität, ist damit als unrealistisch entlarvt und führt vor allem nicht zu dem Ziel, das von der Gruppe "nicht Eintreten" angedacht und erhofft wird. Ausserdem dreht sich die aktuelle Debatte um die Revision des BetMG völlig einseitig um Cannabis. Dabei gibt das Herzstück der Vorlage, die gesetzliche Verankerung der Vier-Säulen-Politik des Bundes (Prävention, Therapie, Schadensminderung, Repression), die seit 10 Jahren erfolgreich angewandt, breit abgestützt und vom Ausland grösstenteils bewundert oder zumindest respektiert wird, ein klägliches Mauerblümchen-Dasein ab. Ein magerer Leistungsausweis der verantwortlichen Politiker.

Neue Wege zu gehen, erfordert Mut und Durchsetzungskraft. Mittlerweile verstossen so viele erwachsene Menschen in der Schweiz (und anderswo) durch Cannabis-Konsum täglich ohne schlechtes Gewissen gegen das Betäubungsmittelgesetz, dass die Rechtsstaatlichkeit zu diesem Thema ernsthaft in Frage gestellt ist. Die Prohibition hat bisher immer versagt und nur zu mehr Kriminalität mit hohen Gewinnen geführt. Kann das im Interesse unserer kultivierten und vermeindlich ach so gescheiten Gesellschaft und Justiz sein?

Nationalräte, die sich ausser Stande sehen auf die Debatte zur Revision des Betäubungsmittel-gesetzes einzugehen, respektive dies mit "nicht Eintreten" quittieren, machen sich an der Misere aktiv mitschuldig und sind für diese verantwortungsvolle Position wohl eher ungeeignet (unabhängig davon, ob sie die pro oder contra Seite unterstützen!). Es ist die Aufgabe des Volkes, sich solches Verhalten für die nächsten Wahlen vorzumerken und solche Politiker bei zukünftigen Urnengängen entschieden abzuwählen. Wer die letzten 12 Monate auch immer hinter den abstrusen Kreuzügen gegen Cannabis quer durch die Schweiz steckt, die Reaktionen werden in geballter Ladung folgen. Die Politik scheint zusehends zu vergessen, dass die Masse irgendwann genug hat und zurückschlägt. Ausserdem ist das Wählerpotential der Cannabis-Freunde und Sympathisanten so zahlreich, dass es jeder politischen Partei gut anstehen würde, klare Positionen zum Thema zu beziehen, damit das Volk entsprechend reagieren und entscheiden kann.

Allen verantwortungbewussten und wachen Nationalrätinnen/Räten, die vor den Wahlen und am 14. Juni 2004 auf das Thema eintreten (diskutieren) wollten, sowie dem Ständerat und dem Bundesrat möchte/n ich/wir in aller Form für Ihr beherztes Engagement danken. Respekt!

Viele SchweizerbürgerInnen wünschen sich für die Zukunft eine realistischere Drogenpolitik. Politisch geschürte Emotionen und Vorurteile sind wenig hilfreich in einer Debatte, die Anstand, Ehrlichkeit und spezifisches Fachwissen verlangt.

Mit nachdenklichen Grüssen
Beat Aegler
Vorstandsmitglied ProJugendschutz gD

Erscheinungsdatum Mittwoch 12. Januar 2005 23:57

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