Auf Hanf-Fahrrad zurück zu den Wurzeln

Unternehmer sponsert Studenten, damit sie Kindergartenkindern Technik und Naturwissenschaften nahebringen. Einer dieser Studenten wird nach Studienabschluss selber Unternehmer, gewinnt einen Gründerpreis und stiftet Preisgeld für das Projekt, an dem er seinerzeit als Student mitwirkte.

www.neue-oz.de 17.10.2009 Von Joachim Dierks WALLENHORST.

So etwa lässt sich im Telegrammstil die Geschichte darstellen, die jetzt alle Beteiligten wieder im Andreas-Kindergarten in Hollage zusammenführte: den Unternehmer Wolfgang Rabe als Hauptsponsor des Projekts „Sandkasten-Ingenieure“ (SKI), den ehemaligen „Sandkasten-Studenten“ und frischgebackenen Unternehmer Nicolas Meyer, Kindergartenleiterin Britta Finke, Elternvertreterin Anette Innerlich und natürlich jede Menge fröhliche Kindergartenkinder mit ihren aktuellen Sandkasten-Studenten Ricarda Nichting und Daniel Busse.

Noch vor drei Jahren steckte Meyer in Busses Rolle. Er ließ die Kinder entdecken, weshalb die Luft über einer brennenden Kerze aufsteigt oder wie man einen Luftballon dazu bringt, unter der Decke kleben zu bleiben. Der Job im Kindergarten half, sein Maschinenbau-Studium zu finanzieren. Inzwischen ist er diplomierter Ingenieur mit dem Spezialgebiet Integrierte Produktentwicklung. Bei seinem ersten Arbeitgeber, dem Automobilzulieferer PGAM in Georgsmarienhütte, baute er Prototypen. Dabei kam er mit modernen Werkstoffen in Berührung, wie sie beispielsweise für die Sicherheitszelle in Formel-1-Rennwagen verwendet werden. Kohle-Faser-Verbund-Werkstoffe entwickelte er weiter und beschloss, sich damit selbstständig zu machen. „Onyx Composites“ heißt seine inzwischen auf sechs Mitarbeiter angewachsene Firma, die erste Mieterin in dem neuen Technologiepark auf dem ehemaligen Britengelände an der Sedanstraße in Osnabrück geworden ist. Onyx entwickelt unter anderem Bauteile für Porsche.

Gründerpersönlichkeit und Geschäftsidee überzeugten das Niedersächsische Wirtschaftsministerium so sehr, dass es Nicolas Meyer als besten Existenzgründer Niedersachsens mit dem „Durchstarter-Preis 2009“ auszeichnete. Das Preisgeld von 10000 Euro wollte der 33-jährige Jungunternehmer nicht komplett in die weitere Ausstattung seiner Firma stecken, wo es dringend gebraucht wird. „Es ist mir ein Anliegen, einen Teil davon an das Super-Projekt der Sandkasten-Ingenieure zurückzugeben, dem ich sehr viel verdanke“, sagte Meyer. Er habe viel aus den Sitzungen mit den Kindern für seinen weiteren beruflichen Weg mitgenommen. Die simplen, völlig unvorbelasteten Fragen, wie Kinder sie stellten, führten oftmals auf den einfachsten und besten Weg zur Lösung auch komplexer Probleme. „Im Andreas-Kindergarten hatte ich oftmals das Gefühl, bereits in meine zukünftigen Mitarbeiter zu investieren – wer weiß, vielleicht war ja schon einer dabei“, ergänzte Meyer.

Britta Finke nahm die Spende von 1000 Euro dankbar entgegen. „Damit sind wieder etliche Wochen Ausbildung für unsere zukünftigen Ingenieure gesichert“, sagte sie und wies gleichzeitig darauf hin, dass der Andreas-Kindergarten nicht der einzige sei, der sich mit Technik-Frühförderung befasst: „Alle Wallenhorster Kindergärten haben inzwischen ähnliche Projekte am Laufen, auch dank der Unterstützung durch die Bürgerstiftung und weitere Privatspender.“

Hauptattraktion für die Andreas-Kinder war natürlich das Rennrad aus Bambus und Hanf, mit dem ihr „Nico“ zur Spendenübergabe angeradelt kam. Meyers Firma hat es entwickelt. Allerdings nicht, weil es dafür einen externen Auftraggeber gab, sondern mehr aus einer Bierlaune heraus. „Ich habe mich 20 Jahre lang mit schweren Stahl-Rennrädern abgequält, da war die Zeit für eine Eigenentwicklung aus einem leichten und nachwachsenden Rohstoff reif“, sagt Meyer. Acht Kilo bringt der „Prototyp als Technologieträger“ auf die Waage, mit dem Meyer selbst schon Triathlon gefahren ist. Ob das Rad einmal in Serie gehen wird, hängt davon ab, ob sich ein Investor findet. Denn Produktion und Vermarktung sind nicht die Betätigungsfelder von Nicolas Meyer und seinem Team, wohl aber die Entwicklung bis zur Serienreife.

http://www.neue-oz.de/_archiv/noz_print/rund_um_osnabrueck/2009/10/23763496.html

www.spiegel.de 06.01.2010

Von Andrea Reidl

2. Teil: Hanfrad aus Osnabrück

Im eigenen Land bekommt Calfee gerade Konkurrenz von Nick Frey. Der 22-jährige Princeton-Absolvent hat während seines Studiums mit Studienkollegen zwei Jahre lang verschiedene Bambusräder entwickelt. Jetzt lässt er sie von einem Geschäftspartner in Vietnam bauen und verkauft sie in Amerika. In Europa fertigt der Fotograf und Industriedesigner Bruno Mares einzigartig schöne Bambusfahrräder auf Nachfrage.

Der Deutsche Nicolas Meyer aus Osnabrück ist noch einen Schritt weiter gegangen. Der Ingenieur und Unternehmer brauchte im Sommer für einen Triathlon ein neues Rad. Da er beruflich täglich mit Faserverbundwerkstoffen experimentiert, konstruierte er eines aus Hanf.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,667888-2,00.html

Im Gegensatz zu den Bambusrädern ist die Optik seines Geschosses allerdings gewöhnungsbedürftig. Umringt von anderen Triathlonrädern wirkt es wie der dicke Obelix inmitten leichtfüßiger Tänzerinnen. Doch wie den massigen Gallier sollte man auch das Hanfrad nicht unterschätzen.

Rohstoff aus dem Blumenladen

"Es hat eine viel bessere Vibrationsdämpfung als ein Carbonrad", sagt Meyer. Interessant ist sein Werkstoff-Mix. Hanf als Meterware aus einem Hanfhaus und Bambus aus dem Blumenladen, das sind die Zutaten für Meyers Bike. "60 Prozent Hanf, 15 Prozent Bambus, der Rest ist Carbon und Aluminium", so der Ingenieur.

Der klobige Rahmen erklärt sich durch die Hanffasern. "Wer den Rahmen verstehen will, muss in Seilen denken", sagt Meyer. Seile können Zugbelastung gut aufnehmen, bei Druck biegen sie sich. Damit sich das Sattelrohr, das aus zwei Rohren besteht, beim Fahren nicht verformt, umschließt ein drei Zentimeter breites Band die ovalen Rohre.

Mit einem Rohrdurchmesser von dreieinhalb bis zehn Zentimetern ist das Rad insgesamt wuchtiger als ein Carbon - oder ein Bambusrad. Der größere Durchmesser verleiht dem Rad mehr Steifigkeit. Meyer hat die Hanffasern in duroplastischem Epoxidharz getränkt und um einen Styroporrahmen gewickelt. Schwerer wird der Rahmen dadurch nicht. Er wiegt 1,4 Kilogramm. Damit ist er ungefähr so leicht wie ein guter Aluminiumrahmen.

"Ein Triathlonrad ist nie bequem" gibt Meyer zu bedenken, aber sein Hanfrad sei viel komfortabler und vermindere die Vibrationen viel stärker als sein alter Rahmen. Das dürfte allerdings auch nicht besonders schwer sein. Meyers altes Triathlonrad war 30 Jahre alt - und aus Stahl.

http://www.onyx-composites.de/

Artikel modifiziert Mittwoch 17. März 2010 02:16, Erscheinungsdatum Sonnabend 24. Oktober 2009 01:12
cookbook of of the in
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