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Auf den Spuren des Seilers

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11. Mai 2007

Lübtheen (Kathrin Neumann) • Das Handwerk in Lübtheen einst und heute hat der Heimat- und Kulturverein in den Mittelpunkt seiner diesjährigen Forschungstätigkeit gestellt. Zur Eröffnung der geplanten Ausstellung soll auch historisches Handwerkszeug zum Einsatz kommen. Als Manfred Gebauer Ende der 40er-Jahre das Seiler-Handwerk erlernte, war noch echte Handarbeit gefragt. Den Hanf hecheln - in feine Teilbündel zerteilen, daraus das Garn spinnen und zu guter Letzt auf der Reeperbahn zum Seil verdrillen - der 72-Jährige hat die Arbeitsschritte noch nicht verlernt. Von Zeit zu Zeit beweist er das im Museum „Altes Küsterhaus“ in Lübtheen, wo die Seilerbahn und anderes Handwerkszeug aus seiner einstigen Werkstatt zu sehen sind.

Praktische Vorführungen zur Eröffnung der AusstellungGebauers und rund 100 weitere Lübtheener Handwerksbetrieben gilt derzeit das besondere Interesse des Heimat- und Kulturvereins. „Lübtheener Handwerk im Wandel der Zeit“ lautet das Thema, auf das in erster Linie die Forschungsarbeit, aber auch fast alle anderen Aktivitäten ausgerichtet sind.

Seit rund vier Monaten sammelt eine neunköpfige Arbeitsgruppe Fakten, Fotos und Urkunden von einst, kramt gemeinsam mit älteren Lübtheenern in Erinnerungen. „Wir haben festgestellt, dass es ein unwahrscheinlich umfangreiches Themengebiet ist“, sagt Irene Knop, die in der Arbeitsgruppe den Hut aufhat. „Deshalb erheben wir auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und haben einige Bereiche wie Handel, Gastgewerbe oder das Thälmann-Werk erst einmal rausgelassen. Sie können Themen für die Zukunft werden.“ Böttcher, Tischler, Schmied, Hutmacher, Leineweber, Zigarrenmacher, Zimmerer und Schlachter - es gibt kaum ein Gewerbe, das es in Lübtheen nicht gibt oder gab. Um 1850 waren es allein 35 Schuhmacher, so Vereinsvorsitzende Jutta Rotter. Deren Zunft war 1772 auch die erste, die gebildet wurde.

Aus Gesprächen mit älteren Lübtheenern und mit Nachfahren früherer Handwerksmeister, aus dem Landesarchiv in Schwerin und der Chronik der Lindenstadt ziehen die Vereinsmitglieder ihre Informationen. Schluss- und Höhepunkt der Jahresarbeit ist die Sonderausstellung, die am 8. September eröffnet wird. Sie wird nicht nur über die Entwicklung des Handwerks allgemein, sondern auch in Wort und Bild über rund 100 Handwerksbetriebe informieren. Zur Eröffnung sind praktische Vorführungen einiger Handwerker geplant. Bäcker, Schlachter, Vulkaniseur, Schmied und Schneider sind dabei.

Einziger Hersteller von

Boxring-SeilenAuch Manfred Gebauer wird wieder Seile drehen und an seinen Handwerksbetrieb erinnern, hinter dem eine wechselvolle Geschichte liegt. Vom Vater 1934 gegründet wurde daraus nach dem Krieg die PGH Seiler und Segelmacher. Ab Anfang der 70er-Jahre gehörte er zum VEB Hanf- und Drahtseilverarbeitung. „Wir waren in der DDR die Einzigen, die die Seile für die Boxringe hergestellt haben“, erinnert sich Manfred Gebauer nicht ohne Stolz zurück. „Die durften nämlich keine Knoten haben.“ Als er 1977 die Werkstatt in Schwerin übernehmen sollte, machte er sich lieber selbstständig. Gern hätte er - wie sein Vater - bis in die 70 hinein gearbeitet. Doch nach der Wende musste er aufgeben.

Seil verdrillen

Erscheinungsdatum Freitag 18. Mai 2007 22:41

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