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Brächete in Zäziwil

21.09.2006 Nächsten Mittwoch findet in Zäziwil die alljährliche Brächete statt. Von Jahr zu Jahr werde es schwieriger, genügend Spinnerinnen zu finden, beklagt sich Helene Moser.

ZÄZIWIL: Auf der Suche nach Spinnerinnen

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21.09.2006 WOCHEN-ZEITUNG FÜR DAS EMMENTAL UND ENTLEBUCH

Jakob Hofstetter

Jedes Jahr, am letzten September- Mittwoch, lebt in Zäziwil das alte Handwerk des Hanf-Brechens auf. Dann bestaunen jeweils Tausende die Frauen beim Riffeln, Hecheln, Brechen, Spinnen und Weben. Dafür verantwortlich, dass auch dieses Jahr wieder an allen Geräten fachfrauisch gearbeitet wird, ist Helene Moser. «Ich habe das ganze Jahr Brächete», sagt sie. Seit das Team den Flachs nicht mehr auswärts einkaufe, sondern in den Gärten und Pflanzplätzen Zäziwils anpflanzen lasse, müsse sie noch weiter vorausplanen. Beispielsweise rechtzeitig bei den Gartenbesitzern um ein Beet für die besondere Pflanze werben gehen. «Bis jetzt bin ich immer fündig geworden. Weil aber der Flachs nur alle fünf Jahre am gleichen Ort gesät werden darf, erfordert dies sowohl von mir als auch von den Gartenbesitzern eine gute Planung.»

Wo bleiben die Spinnerinnen?

Als Ressortleiterin «Brauchtum» kann Helene Moser auf Helferinnen und Helfer aus der ganzen Schweiz zählen. «Viele Frauen kommen fast jedes Jahr, einige sind von Anfang an dabei. Nun bringen sie jeweils ihre Töchter mit. Diese sollen dann mithelfen, den Brauch in Zäziwil zu erhalten. Dieses Jahr war es aber besonders schwierig, jeden Posten zu besetzen. «Ich will, dass von morgens bis abends an jedem Gerät durchgehend gearbeitet wird. Das sind wir den Besuchern schuldig.» Weil die Frauen auch Pausen bräuchten, müsse sie jeweils 40 Personen einteilen können. Heuer habe dies ausserordentlich geharzt. Viele Frauen hätten sich abgemeldet oder gar nicht erst auf die Anmeldung reagiert, beklagte sie sich Ende August. Ganz «ausgeschossen» sei sie noch nicht. Über einige gute Adressen verfüge sie noch.

Bis jetzt, knapp eine Woche vor der Brächete, konnte die Brauchtum-Chefin doch noch genügend Brecherinnen und Spinnerinnen mobilisieren. Für die meisten Verarbeitungsschritte des Flachs ist dies bis heute immer problemlos gelungen. Doch für das Spinnen und Weben des Flachs könnte es dereinst schwierig werden, Leute zu finden, befürchtet sie. «Das können nicht mehr viele.

Flachs zu spinnen und zu weben ist schwieriger als Wolle.» Solange sie auf die «Ballenberg-Frauen» zurückgreifen kann, wird Helene Moser auch diese Arbeitsgeräte besetzen können. Warum rekrutiert sie nicht Zäziwiler und Zäziwilerinnen, um dieses alte Handwerk der übrigen Welt bekannt zu machen? «Das ist halt nicht allen gegeben», sagt sie. Und OK- und Gemeindepräsident Urs Grunder ergänzt: «Wir brauchen unsere Leute für den übrigen Betrieb, insbesondere seit die Vereine selber wirten.» Doch er ist zuversichtlich, dass sich auch in Zukunft genügend Flachs-Arbeiterinnen finden lassen. «Das Interesse an altem Handwerk nimmt eher wieder zu», stellt er fest.

An der Brächete wird neben dem Flachsverarbeiten auch anderes altes Handwerk zelebriert. Unter vielem anderem ist heuer wieder Dreschen mit dem Göppel, Teuchelbohren und Seile drehen angesagt. Dazu herrscht reger Marktbetrieb. Das Programm beginnt um 9 Uhr.

Erscheinungsdatum Sonntag 24. September 2006 00:41

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