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CH: Bundeskriminalpolizei, Bandenalarm im Cannabis-Handel

Parlament und Bundesrat haben die Kriminalität gefördert.

Die gemütlichen Zeiten im Schweizer Cannabis-Handel sind vorbei.

www.solothurnerzeitung.ch 18.01.11 VON BENNO TUCHSCHMID


Bandenalarm im Cannabis-Handel

Drogen Ausländer drängen in den Markt

Kriminelle Banden drängen in den Schweizer Cannabis-Handel. Gemäss Bundeskriminalpolizei sind besonders Türken und Personen aus den Balkanstaaten aktiv. Diese Entwicklung ist neu: Bis vor wenigen Jahren war der Handel mit Cannabis praktisch ausschliesslich in Schweizer Hand. Doch zwischen 2004 und 2006 ging die Polizei hart gegen Hanf- Shops und Gras-Produzenten vor. Das Produktionsvolumen sank, der Preis stieg. Der Handel mit Cannabis ist «äusserst lukrativ», bestätigt die Bundeskriminalpolizei. Die kriminellen Banden haben die Cannabis-Produktion industrialisiert: Sie züchten Pflanzen in High-Tech-Anlagen – die für die Polizei schwer zu entdecken sind. Damit nähert sich die Cannabis-Produktion der Herstellung von harten Drogen an. Und das hat Konsequenzen: «Die Gewaltbereitschaft hat in den letzten Jahren enorm zugenommen», sagt Michael Mosimann, Vorstandsmitglied der Schweizer Hanfkoordination.

Kriminelle Gruppen mischen den Cannabis-Markt auf

Bisher war der Handel mit Cannabis praktisch ausschliesslich in Schweizer Hand. Weil sich der Marihuana-Preis in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht hat, lockt das ausländische Banden an.

Bewaffnetes Wachpersonal in Cannabis-Zucht-Anlagen; Banden, die Industrie-Hanffelder stürmen; Drohungen, Körperverletzungen, Entführungen: Die gemütlichen Zeiten im Schweizer Cannabis-Handel sind vorbei. «Die Situation ist beängstigend. Die Gewaltbereitschaft hat in den letzten Jahren enorm zugenommen. Wir haben es mit Mafia-ähnlichen Banden zu tun», sagt Michael Mosimann von der Schweiz Hanf Koordination, dem Branchenverband der Schweizer Hanffirmen.

Dazu passt auch der Fall eines Berner Hanfbauers, der im letzten Dezember auf seinem Industriehanffeld von einer ausländischen Bande beraubt wurde und einen Dieb erschoss. Auch die Bundeskriminalpolizei registriert Gewaltdelikte und die Zunahme von ausländischen Banden im Umfeld der Cannabis-Produktion. «Besonders aktiv sind Türken und Albaner und andere Personen aus den Balkanstaaten», sagt Roger Flury, Analytiker bei der Bundeskriminalpolizei.

Einst das Land des blühenden Hanfs

Lange Zeit war Cannabis im Schweizer Drogenhandel ein Spezialfall: Mehr oder weniger toleriert von der Polizei, wuchsen bis vor zehn Jahren auf Feldern und in Indoor-Plantagen riesige Mengen Cannabis - so viel, dass der Ernte-Überschuss zum Teil ins Ausland exportiert wurde. In Schweizer Städten florierte der Handel in den Hanfshops. Und: Der Cannabis-Handel war praktisch ausschliesslich in Schweizer Hand. Rechtlich befand sich das Geschäft mit der Droge im Schwebezustand: Viele rechneten mit einer baldigen Legalisierung. Doch 2004 schmetterte das Parlament diese endgültig ab, und die Polizei griff durch: Bereits Ende 2006 gab es in der ganzen Schweiz keine offenen Verkaufsstellen mehr und die grossen Hanfplantagen und Zuchtanlagen waren ausgehoben.

Nur: Die Schweizer blieben trotzdem ein Volk von Kiffern. 11,5 Prozent der Schweizer Männer rauchen regelmässig Cannabis, bei den Frauen sind es 5,1 Prozent. Und die bekommen ihr Gras immer noch, allerdings aus einer anderen Quelle: «Der Anbau ist in den Untergrund verschwunden und zu einer eigentlichen Industrie geworden», sagt Roger Flury. Die Konsequenz: «Für grosse High-Tech-Anlagen braucht es hohe Investitionen, die nur von gut organisierten Banden getätigt werden können», so Flury weiter. Die kriminellen Banden lockt auch der Preis: Dieser hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht. Konsumenten bezahlen heute zwischen 20 und 25 Franken pro Gramm. «Durch den stark gestiegenen Preis ist die Cannabis-Produktion äusserst lukrativ. Und: Im Vergleich zu harten Drogen fällt die Bestrafung relativ gering aus», bestätigt Roger Flury.

Marihuana aus Albanien

Weil die Cannabis-Produzenten in den Untergrund auswichen, werden sie auch weniger erwischt. Die Zahl der Beschlagnahmungen von Cannabis ist zusammengebrochen. Dazu kommt, dass auch das Produktionsvolumen abnahm. «Früher musste die Polizei oft mit Lastwagen vorfahren, um die konfiszierte Ware abtransportieren zu können», sagt Roger Flury. 15 bis 20 Tonnen pro Jahr waren keine Seltenheit. Heute reicht zur Konfiszierung ein kleiner Lieferwagen (siehe Grafik).

Die stark gestiegenen Preise führen zu einem weiteren Phänomen: «Noch vor wenigen Jahren war gestrecktes Gras unvorstellbar. Heute finden sie Kraut mit Spuren von Bleisulfat oder Vogelsand», sagt Michael Mosimann. Weil das Cannabis-Produktionsvolumen in der Schweiz zurückging, reicht die Menge für den Markt nicht mehr aus. Die Bundeskriminalpolizei stellt fest, dass der Import von Cannabis-Produkten in die Schweiz zunimmt: insbesondere Haschisch aus Marokko und Marihuana aus Albanien.

Kommentar :

Politik bewirkte das Gegenteil

Nein, so war das nicht gedacht. Am 30. November 2008 sagte das Schweizervolk Nein zur Legalisierung von Hanf. Parlament und Bundesrat hatten für die Ablehnung plädiert. Die Politik wollte die Jugend schützen. Und hat ungewollt die Kriminalität gefördert. Denn: Seit die Polizei konsequent und hart gegen Cannabis-Produzenten vorgeht, hat sich die Produktion in den Untergrund verschoben – in die Hände von kriminellen Banden.

Wie schädlich Kiffen ist, darüber streiten sich die Experten. Ganz sicher ist es nicht gesund, speziell nicht für Jugendliche. Nur: Ist deshalb ein radikales Verbot der richtige Weg? Die Entwicklung im Cannabis-Markt zeigt: Es ist nicht der richtige Weg. Denn erstens wird in der Schweiz nach wie vor viel gekifft – rund eine halbe Million Schweizer sollen regelmässig Cannabis rauchen – und zweitens ist die Qualität der Droge schlechter geworden. Kriminelle strecken das Gras mit Bleisulfat oder Vogelsand.

Dazu kommt: Kriminelle Banden haben alles andere im Sinn als Jugendschutz. Mit einer staatlichen Regulierung und einer Entkriminalisierung des Konsums, wie es als Test in Zürich, Basel und Bern geplant ist, kann die Jugend besser geschützt werden – und gleichzeitig wird den Kriminellen der Boden für ihr Handeln entzogen.

Die Schweiz war einmal weltbekannt für eine fortschrittliche Drogenpolitik. Die Einführung der staatlichen Heroinabgabe brauchte damals viel Mut – und wurde zum Erfolg. Es wird Zeit, dass die Schweiz auch bei der Cannabis-Politik Mut zeigt, statt weitere Jahre an Ort und Stelle zu treten.

Politik:

Kommission für Ordnungsbusse

Am Donnerstag prüft die Ständerätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit die parlamentarische Initiative für die «  Entkriminalisierung von Cannabis. Die von der CVP-Nationalrätin Prelicz-Huber (ZH) eingereichte Initiative fordert, dass Konsum und Anbau für den Eigenbedarf straffrei bleiben sollen. Die Initiative wurde von der nationalrätlichen Schwesterkommission bereits bearbeitet. Diese plädierte dafür, das Cannabis-Konsumenten künftig bloss noch eine Ordnungsbusse von 50 Franken erhalten sollen.

Das Ordnungsbussenmodell wird im Kanton St.Gallen bereits praktiziert. In den üblichen Kantonen werden Cannabis-Konsumenten verzeigt.

In den Städten Zürich, Basel und Bern sollen zudem bald Pilotprojekte zum staatlichen Verkauf von Cannabis gestartet werden. Die Idee wurde im Zürcher Stadtparlament lanciert. Der Versuch soll wissenschaftlich begleitet werden. Noch ist unklar, ob das Pilotprojekt mit dem nationalen Betäubungsmittelgesetz im Einklang gebracht werden kann.

Artikel modifiziert Donnerstag 20. Januar 2011 00:46, Erscheinungsdatum Mittwoch 19. Januar 2011 01:32

Forum des Artikels

CH: Bundeskriminalpolizei, Bandenalarm im Cannabis-Handel
Politik, wäh, igitt und pfui.

Wenn wählen, dann bestimmt keine rechtsextreme Partei, die es leider in der Schweiz gibt. Ansonsten haben wir gar keine Chance mehr. Mich kotzen die Lügen schon lange an. Sorry für den Ausdruck!

Zu den Preisen: Verdreifachung der Preise trifft aber nur selten zu. Inzwischen wird es auch schon wieder günstiger. Das sind zumindest meine Erfahrungen, da wo ich lebe. Ausserdem gibt es auch viele Kleinstproduzenten, die ihr überschüssiges Ganja verkaufen.

Auch ist mir eine krasse Story über eine "Jugoslawen-Bande" bekannt, die bei einem "Handdealer" eingebrochen haben und dessen Freundin gefesselt haben usw. usf. Genauere Details möchte ich natürlich an dieser Stelle nicht preisgeben.

Es ist schade, dass solche Individuen alle "Balkanisten" in den Dreck ziehen. Ich kannte da auch schon ganz nette Kosovaren etc. Von denen spricht niemand.

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4 März 2011 von Exodorius

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