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Den Tabak nicht verteufeln

2005/02/19 - Der Bund
Raucher, Trinker, Kiffer: der selbe Kampf
Den Tabak nicht verteufeln

Der Tabakbranche - eigentlich viel mehr dem Rauch, den ihre Fabrikate produzieren - weht ein kalter Wind entgegen, geschürt von weltweit über 500 NGOs, die einen äusserst starken Druck auf die Politik ausüben. Dahinter steht auch die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, deren Ziel eine rauchfreie Gesellschaft ist.

Das ganze Paket der von der WHO geforderten Massnahmen gegen das Rauchen ist hinlänglich bekannt: schockierende Aufdrucke und Bilddarstellungen der Gesundheitsrisiken auf den Packungen von Tabakfabrikaten, umfassende Verbote von Werbung und Verkaufsförderung, Rauchverbote am Arbeitsplatz (und damit auch in der Gastronomie) und in öffentlichen Gebäuden und auf Plätzen (bis zum Badestrand), massive Steuererhöhungen usw. Das ist alles zusammengefasst in der "Framework Convention on Tobacco Control" der WHO, einer Konvention von -zig Seiten zur Eindämmung des Tabakkonsums und des Tabakanbaus weltweit. Wenn man dies liest, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden soll.
Die Tabakbranche ist sich durchaus bewusst, dass Rauchen nicht gesund ist. Die Tabakindustrie hat auch Verständnis dafür, wenn der Nichtraucher den Anspruch erhebt, vor Tabakrauch geschützt zu werden. Auch gegen ein Verkaufsverbot an Jugendliche haben zumindest wir als Zigarren- und Zigarillohersteller keine Einwände, obwohl wir meinen, dass dies wirkungslos sein wird. Denn es ist ja gerade das, was verboten ist, was die Jugend reizt. Wenn Jugendliche "Zigis" rauchen wollen, so werden sie diese auch irgendwoher kriegen, genauso wie Marihuana und was sonst noch alles verboten ist.
Wir wehren uns gegen die Verteufelung des Tabaks insgesamt, gegen noch mehr staatliche Bevormundung, gegen noch mehr Kontrollen und noch mehr Vorschriften, gegen ein Überziehen der Steuerbelastung, weil unter dem Strich alle diese Massnahmen mehr Schaden stiften als Nutzen bringen, nur weil eine Minderheit von Ideologen, die nicht konsensfähig sind, ihre Zielsetzungen verwirklicht sehen will.
Wir haben im vorigen Jahr gerade in unserem Nachbarland Deutschland erlebt, wie der Ertrag aus der Zigarettensteuer nach massiven Steuererhöhungen um netto 813,2 Millionen Euro eingebrochen ist, was teilweise wohl kompensiert wurde durch höhere Steuereinnahmen aus den Verkäufen an Schnitttabak zum Selberdrehen und -stopfen von Zigaretten, aber letztlich blieb unserem Nachbarland ein Netto-Steuerausfall von knapp einer halben Milliarde Euro, während 1,7 Milliarden Mehreinnahmen geplant waren. Die Gesundheitslobby rieb sich erfreut die Hände, aber geraucht wurde nicht weniger. An der Ostgrenze blüht der Zigarettenschmuggel, dem auch die zusätzlich eingesetzten "mobilen Zollkontrollen" nicht beikommen.
Wenn der Mensch rauchen will, so lässt er sich das auch nicht verbieten, genauso wenig, wie er sich den Alkoholgenuss oder das Autofahren verbieten lassen würde, allem Smog in den grossen Agglomerationen zum Trotz. Wir wehren uns auch gegen die Bezeichnung der Tabakwirtschaft als "Tabaklobby". Man kann nicht die Zigarre, die Zigarette, die Tabakpfeife, die Tabakbauern, den Tabakwarenhandel, die Werbebranche (die indirekt auch am Tabak beteiligt ist) und letztlich unser Finanzdepartement, das am Tabak am meisten verdient, in einen Topf werfen und als "Tabaklobby" subsummieren. Seit Kolumbus im Jahre 1492 den Tabak nach Europa brachte, war dieser im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Zielscheibe von Weltverbesserern und Politikern mit Profilierungsbedarf.
Was soll denn ein Verbot von Zigarettenautomaten bewirken? Da besorgen sich die Jugendlichen ihre Zigaretten eben von ihren älteren Freunden. Aus Sicht der Zigarrenbranche bestehen keine Einwände gegen ein Automatenverbot, aber es ist ein nutzloses Unterfangen. In Deutschland wird der Zugriff auf Zigaretten in Automaten in absehbarer Zeit nur noch über eine Geldkarte mit programmiertem Geburtsdatum möglich sein, was ausser Millionen Euro an Umbaukosten nichts bringen wird. Wir glauben nach wie vor an die Tabakkultur, an das genussvolle Zigarrenrauchen, an die Vernunft des mündigen Menschen, an die Toleranz. Hat denn die Menschheit keine anderen, grösseren Sorgen wie Hunger, Aids, Völkermord? Es muss doch möglich sein, ohne eine weitere Flut von Verboten mit unseren Wohlstandsproblemen fertig zu werden.

"Hat denn die Menschheit keine grösseren Sorgen?"
Heinrich Villiger
Artikel modifiziert Dienstag 22. Februar 2005 00:55, Erscheinungsdatum Dienstag 22. Februar 2005 00:00

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