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Die Erdölfelder der Zukunft sehen grün aus

Mutzschen/Nerchau - Zu einem Erfahrungsaustausch über Nutzhanf als alternative Einkommensquelle in der Landwirtschaft kamen am Montag in Mutzschen (bei Leipzig) Fachleute aus ganz Deutschland zusammen.
Als Mitte der 90-er Jahre Hanf in Deutschland wieder legal angebaut werden durfte, stellte sich auch die NM-Nerchau-Mutzschener Agrar und Service GmbH der bislang unbekannten Aufgabe. Von den rund 1700 Hektar Acker- und Weidefläche des Betriebes, auf denen vorrangig Getreide, Raps und Zuckerrüben angebaut werden, nutzte man in den letzten acht Jahren etwa 100 Hektar für Hanf. Aber - und das brachte NM-Geschäftsführer Steffen Richter am Montag auch auf der Zusammenkunft zum Ausdruck - die Verarbeitung und Vermarktung des Hanfes sei völlig unbefriedigend verlaufen.
"Unsere Erntetechnik ist nicht hanftauglich" sagt Richter. "Die rotierenden Teile erfassen die meterlangen Fasern, die nicht reißen, aber sich umwickeln, bis die Maschine stehen bleibt." Außerdem erfordere die Aufbereitung und Trennung von Faser und Schäbe (die Rinde des Stängels) Spezialtechnik, die sich für einzelne Landwirtschaftsbetriebe in der Anschaffung nicht lohne.
In den ersten Jahren hätten die Landwirte aus Nerchau-Mutzschen noch einen Teil ihrer Hanfproduktion an weiter verarbeitende Firmen geliefert, sagt Steffen Richter. Im Bergelager Trebsen werde Hanf für die Herstellung von Lehmziegeln genutzt, in Großbardau sei Hanfbier und -limo produziert worden, einige Bäcker hatten Hanfbrot im Angebot. Doch mittlerweile sei die Nachfrage so gesunken, dass der Betrieb nur noch einen Hektar Hanf habe.
Dennoch schwebt dem Landwirt und Ökologen eine Idee vor, die er in Mutzschen auch öffentlich vorstellte, nämlich die Herstellung von Bioenergie aus Hanf. Das Zauberwort für Richter lautet Pyrolyse. Aus der organischen Materie können durch starkes Erhitzen Holzkohle, Öl und andere Stoffe gewonnen werden, die zur Energiegewinnung nutzbar sind. "Die Erdölfelder der Zukunft sind grün und werden von den Bauern auf ihren Äckern jedes Jahr neu bestellt", stellt Richter den Vorteil nachwachsender Rohstoffe dar. Er denkt auch über Chancen der Region nach: "Wir haben kluge Leute hier, die im großen Grimmaer Chemieanlagenbaubetrieb gearbeitet haben. Die könnten an der Kette von Produzent bis Verbraucher ein wichtiges Glied sein."
In der am Montag gegründeten Arbeitsgruppe Nutzhanf will Steffen Richter seine Vision vom organisiert gesteuerten Hanfanbau bis hin zur "grünen Energiegewinnung" weiter in Angriff nehmen.

Silke Hoffmann
Leipziger Volkszeitung
Artikel modifiziert Sonnabend 19. März 2005 11:39, Erscheinungsdatum Sonnabend 19. März 2005 11:39

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