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Die trügerische Ruhe nach dem Sturm

Ein knappes Jahr ist seit der Ablehnung der Hanfinitiative vergangen, und ich bin jetzt über ein halbes Jahr wieder in Freiheit. Zeit, für einen Zwischenbericht.

Die klare Ablehnung der Volksinitiative zur Hanflegalisierung im letzten Herbst hat den bereits vorher sichtbaren Druck von Seiten von Polizei und Justiz zementiert. Es ist kaum mehr möglich, unter freiem Himmel Genusshanf anzubauen. Ebenso sind Handel und Konsum wieder im Untergrund verschwunden, nach dem Motto aus den Augen aus dem Sinn.

So sind auch die mit dem Untergrund verbundenen negativen Effekte wiederauferstanden: Hanf kann nicht mehr offen angebaut werden, also weiss der Konsument nicht mehr, was er einkauft, da der Produzent nicht mehr dazu stehen darf. Folglich kann er auch nicht belangt werden. Entsprechend ging die Qualität den Bach runter. Es wird wieder geschummelt, angefeuchtet, gestreckt, was das Zeug hält. Dazu sind die Preise exorbitant gestiegen. Die Lädelis sind verschwunden. Es wird entweder unter der Theke verkauft, oder man muss wieder, wie früher, zu den Junkies auf die Gasse zum Einkaufen. Es ist somit das genaue Gegenteil von dem, was die Initiative wollte, eingetreten: Jugendschutz bei den Junkies? „Saubere“ Ware, also Gesundheitsschutz? Ausschaltung der Mafia? usw. . .

Im Oktober 2008 hat die eidgenössische Kommission für Drogenfragen ein „Update zum Cannabisbericht 1999“ publiziert, indem die Experten, darunter Ärzte, Uniprofessoren, Staatsanwälte, Polizisten, klare Empfehlungen für eine Legalisierung von Kleinmengen abgegeben. Hier ihre Empfehlungen:

„Die Kommission bleibt grossmehrheitlich bei ihrer im Cannabisbericht 1999 formulierten Empfehlung, die Zugänglichkeit von Cannabisprodukten über ein Regulierungsmodell zu steuern, das der Prävention und insbesondere dem Jugendschutz die notwendige Beachtung schenkt. Eine solche Lösung würde eine materiellrechtliche Strafbefreiung für den eigenen Konsum und seine Vorbereitungshandlungen beinhalten. In Berücksichtigung der internationalen Konventionen bliebe der Grosshandel strafbar. Dies schliesst aber nicht aus, dass für den Kleinhandel im obern beschriebenen Rahmen eine Opportunitätsregelung geschaffen wird. Die rechtliche Grundlage dazu wäre im Betäubungsmittelgesetz festzulegen.“

Klar hiess es von Seiten des Parlaments wie der Regierung, dass das Kapitel „Hanf“ im revidierten Betäubungsmittelgesetz noch zu überarbeiten ist. Aber offensichtlich geschieht nichts. Man drückt zwar allgemeine Rauchverbote in der ganzen Schweiz durch, wie wenn so aller Rauch verschwinden würde. Aber so verschwindet Cannabis nicht aus der Schweiz, wie bekanntlich auch der Schnaps nicht während der Prohibition aus den USA verschwand!

Es werden zwar Fakten geschaffen, aber diese helfen niemandem, da die Rechtsunsicherheit in Sachen Hanf so noch schlimmer wird.

Offenbar hat die Konferenz der Chefs der kantonalen Polizei- und Justizdepartemente der lateinischen Kantone ein Konkordat, also ein gemeinsames Abkommen, in Arbeit, welches die Normen und Praktiken für Handel und Anbau von Hanf koordinieren soll. Wenn man weiss, wie die Offiziellen der Romandie mit dem Thema Hanf umgehen, kann das nur Übles bedeuten. Da aber Bundesbern schläft, preschen andere vor und versuchen diesen Sack wieder zuzumachen, so als ob nichts wäre.

So bleibt meiner Ansicht nach nur eine Möglichkeit, gegen diese Tendenzen anzugehen, und zwar Eigenanbau, wo es nur geht. So bleibt die Pflanze sichtbar, der Schwarzmarkt bleibt aussen vor, und jeder Pflanzer ist selber verantwortlich für seine Ernte und, was er damit anfängt.

Noch besser als als Einzelkämpfer den Autoritäten zu trotzen ist meiner Ansicht nach der kollektive Anbau von Hanf in der Form von Cannabis Social Clubs, also in Vereinen, wo die Leute gemeinsam ihren Hanf anbauen. So wird Verantwortung geteilt, man kann sich untereinander helfen und weiss erst noch, wo der Hanf herkommt.

So ist eines meiner nächsten Projekte die Gründung eben eines solchen Klubs, und zwar für Patienten, welche Hanf benötigen. Wir werden dann sehen, wie es mit der (geplanten) Zulassung von Medizinalhanf steht.

Auf jeden Fall gilt immer noch

Stand up and smoke!

  • Hemp Info News September 2009
  • Nouvelles Chanvre-Info septembre 2009
Artikel modifiziert Montag 5. Oktober 2009 01:40, Erscheinungsdatum Montag 5. Oktober 2009 01:10

Forum des Artikels

Die trügerische Ruhe nach dem Sturm
Hallo.

Gute Idee mit dem Social Club. Jedoch auch sehr riskant. Das Gefängnis oder andere Massnahmen rufen bereits!? Ich selbst kann es mir zur Zeit nicht erlauben mitzumachen, obwohl es mich reizen würde. Mir steht das Wasser eh schon bis zum Hals und kriege das Kot... mit ewigem Behörden-, Botschaften- und Ämternkram.
Also in dem Sinne viel Glück. Get up, stand up!

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26 September 2010 von Exodorius

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