Endocannabinoide löschen schlechte Gedanken im Gehirn aus
Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben gezeigt, dass das endogene Cannabinoidsystem eine zentrale Rolle bei der Auslöschung unangenehmer Erinnerungen spielt.
Transgene Mäuse, die keine Gehirn-Cannabinoidrezeptoren (CB1) haben, und Mäuse, die mit einem CB1-Rezeptorantagonisten behandelt worden waren, zeigten in Experimenten eine deutlich beeinträchtigte Auslöschung der Angst. Die Tiere, die darin konditioniert worden waren, einen Musikton mit einem elektrischen Schock zu assoziieren, produzierten eine Angstreaktion und reagierten auch weiterhin auf diese Weise, als der Ton nicht mehr von einem Schock gefolgt wurde. Normale Mäuse hörten schnell damit auf, auf den Ton zu reagieren, wenn er nicht mehr mit einem Schock assoziiert war, aber die behandelten Mäuse brauchten wesentlich länger, um die Angst zu vergessen.
Dr. Beat Lutz und sein Team fanden heraus, dass die Amygdala, eine Region des Gehirns, die wichtig für die Speicherung von Erinnerung und Furcht ist, mit Endocannabinoiden überflutet wurde, wenn die Mäuse nach und nach die gelernte Antwort auf den Schock vergaßen. Die Verwendung von Cannabis würde nicht die gleiche Wirkung beim Menschen verursachen, erklärte Lutz, weil es das ganze Gehirn überfluten würde und nicht spezifisch genug sei.
Dr. Pankaj Sah, ein Neurowissenschaftler an der australischen nationalen Universität in Canberra sagte in einem Kommentar, dass die jüngsten Befunde erklären könnten, warum einige Menschen mit psychiatrischen Problemen versuchen würden, Linderung mit Marihuana zu finden. Er meinte, dass Menschen mit bestimmten psychiatrischen Problemen sich vielleicht selbst behandeln würden, in einem Versuch, ihren Gehirnen zu helfen, einige schmerzhafte und traumatische Erinnerungen und Gedanken auszulöschen.
(Quellen: Marsicano G, et al. The endogenous cannabinoid system controls extinction of aversive memories. Nature 2002 Aug 1;418(6897):530-4; Sah P. Neurobiology: Never fear, cannabinoids are here. Nature 2002 Aug 1;418(6897):488-9; Reuters vom 31. Juli 2002; Seattle Times vom 1. August 2002; Abstract von Giovanni Marsicano et al. bei der ICRS-Tagung von 2002).









