Text vergrössernText NormalgrösseText verkleinern

Geheimdienste halten US-Strategie zur Bekämpfung der Drogenkartelle für « aussichtslos »

Kabul (ddp). Vertreter westlicher Geheimdienste halten die neue amerikanische Strategie zur Bekämpfung der Drogenkartelle in Afghanistan und zur Festnahme von Drogenbossen für « aussichtslos und sehr gefährlich ». Der US-Sondergesandte für Afghanistan, Richard Holbrooke, hatte am Wochenende angekündigt, statt der vergeblichen Versuche, die riesigen Mohnfelder am Hindukusch zu vernichten, solle die amerikanische Armee künftig « mit aller Kraft » gegen die mächtigen Kartelle vorgehen und möglichst viele Drogenbarone und ihre Helfershelfer dingfest machen.

http://www.dernewsticker.de DDP-Meldung vom 29.06.2009

« Dieser Stich ins Wespennest wird die prekäre Lage in Afghanistan noch verschlimmern », sagten Vertreter des US-Geheimdienstes CIA und auch andere westliche Geheimdienstler am Montag der Nachrichtenagentur ddp in der afghanischen Hauptstadt Kabul.

Washington wolle seinen Feldzug zur Vernichtung des Opiumanbaus in Afghanistan einstellen, hatte Holbrooke verkündet. Stattdessen soll den Bauern, die zumeist vom Schlafmohnanbau und der Opiumproduktion leben, beim Anbau anderer Produkte finanziell geholfen werden. Holbrooke hatte das bisherige Vernichtungsprogramm der Amerikaner als eine « Geldverschwendung » von Milliarden Dollars bezeichnet, die nur die afghanischen Bauern in die Hände der Taliban getrieben habe.

« Die neue Strategie klingt gut, ist aber von vornherein ein totgeborenes Kind », stellten die Geheimdienstler übereinstimmend fest. Die Drogenhändler und Drogenbarone mit ihren Privatarmeen würden « umgehend das Feuer auf die US-Soldaten eröffnen, die ihnen beim boomenden Drogengeschäft in die Quere kommen ». Versuche, Drogenschmuggler daran zu hindern, das Opium außer Landes zu bringen, seien « völlig illusorisch. Die Schmuggler würden auch von obersten Regierungsstellen in Kabul gedeckt.

Der oberste Drogenbekämpfer der Vereinten Nationen, Antonio Mario Costa, hatte die US-Drogenpolitik am Hindukusch als »traurigen Witz«  bezeichnet. »Traurig deshalb, weil viele afghanische Polizisten und alliierte Soldaten getötet und nur 5000 Hektar der Mohnfelder bisher zerstört wurden« , hatte Costa betont. Das entspreche etwa drei Prozent der Mohnanbaufläche.

Die Taliban ermuntern seit jeher die Bauern zum Mohnanbau oder zwingen sie dazu. Aus dem lukrativen Drogengeschäft finanzieren die  »Gotteskrieger« ihren Kampf gegen die ISAF-Truppen. Die Gewinne gehen in die Milliarden Dollar. Im Drogengeschäft am Hindukusch gibt es nach Angaben der Nachrichtendienste ein »Geflecht von Händlern, Schmugglern, von Bossen, Gouverneuren, Banditen, Warlords und Regierungsstellen auf allen Ebenen« . Selbst der Bruder des Präsidenten Hamid Karsai, Ahmed Wali, soll Chef einer Bande sein, die Drogen über den Iran und die Türkei in den Westen schmuggelt.

Afghanistan ist schon lange der größte Opiumlieferant für die Welt. Weit über 90 Prozent des »Stoffs« kommen vom Hindukusch. Die Anbaufläche für Mohn hat sich inzwischen auf rund 80 000 Hektar vergrößert. Die UNO wies darauf hin, dass sich die Opiumproduktion trotz millionenschwerer Gegenprogramme - Anbau von Weizen, von Gemüse und Pflanzen - seit Beginn der US-Invasion 2001 »vervierzigfacht« habe.

In diesem Jahr wird eine Rekordernte von über 9000 Tonnen Schlafmohn erwartet. Insgesamt sind nach Schätzungen von Experten von den 25 Millionen Afghanen fast vier Millionen im Mohnanbau und Drogenhandel beschäftigt. Wird ein Drogenhändler dabei erwischt, wie er auf eigene Rechnung arbeitet, hängen ihn die Taliban am nächsten Baum auf, berichteten die Geheimdienstler. Vom erarbeiteten Gewinn der Drogenbauern, die meistens mit ihren Familien ums Überleben kämpfen, würden die Taliban und die Drogenbosse das »Meiste einheimsen« .

Die angekündigte neue Strategie der Amerikaner verstärkt gegen die Drogenkartelle vorzugehen, sei »deshalb zum Scheitern verurteilt, weil Präsident Karsai selbst mit den Drogenbossen und korrupten Gouverneuren paktiert, die ihm bei der Wiederwahl ins Präsidentenamt am 20. August unterstützen sollen« , berichteten neben den US-Diensten auch die Vertreter anderer westlicher Geheimdienste. Die immer wiederkehrenden  »Bekenntnisse« von Karsai, den Kampf gegen das Rauschgift aufzunehmen, seien immer wieder als »reine Lippenbekenntnisse" zu werten.

Erscheinungsdatum lundi 6 juillet 2009 15:34

http://www.cannabis-helvetica.ch
http://www.swisshempshop.com