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Grundsätzliches zu Hanföl und Gamma-Linolensäure

Hanfsamen und Hanföl

Botanisch gesehen sind Hanfsamen kleine Nüsse („Nüsschen“) mit einem Durchmesser von normalerweise ein paar Millimetern. Sie sind etwas kürzer und dicker als Sonnenblumenkerne. Eine dünne, knackige, essbare Schale schützt ihr Fleisch. Dieses Fleisch, welches durch vorsichtiges Schälen entnommen werden kann, enthält durchschnittlich 28 bis 35 % Fett und 20 bis 24 % Protein.

Ein großer Teil des heutigen Interesses an Hanfsamen gilt der Verwendung ihres Öls als Lebensmittel und Körperpflegeprodukt. Daher informieren die meisten analytischen Daten, die zu Hanfsamenprodukten erhältlich sind, über das Fettsäurespektrum des Hanföls. Zwei aktuelle Übersichten finden sich beispielsweise bei Leson und Pless (2001) und nova (1999). Obwohl dieses Spektrum stark von der Hanfsorte oder der Kultur abhängt, kann man einige grundsätzliche Charakteristika des Hanföls nennen. Danach machen die essenziellen Fettsäuren (EFA) Linolsäure (LA, 18:2 N-6) und Alpha-Linolensäure (ALA,18:3 N-3) im Hanföl 75 bis 85 % der Fettsäuren aus (anstatt N-6- bzw. N-3-Fettsäuren ist auch der Begriff Omega-6- bzw. Omega-3-Fettsäure gebräuchlich).

Tabelle: Wichtige Pflanzenöle und ihr Gehalt an den wichtigsten ungesättigten Fettsäuren (nova 1999, weitere Quellen dort)

Pflanzenöl Ölsäure Linolsäure (N-6) Alpha-Linolensäure (N-3) Gamma-Linolensäure (N-6)
Hanf 10 - 16 50 - 70 15 - 25 2 - 4
Lein 13 - 23 17 - 31 44 - 54 -
Oliven 64 - 86 4 - 15 1 -
Raps 54 - 60 24 - 28 9 - 11 -
Sonnenblume 30 - 40 50 - 64 Spuren -
Soja 20 - 34 49 - 55 4 - 12 -
Nachtkerze 12 - 20 55 - 65 - 6 - 14
Borretsch 14 - 18 25 - 40 > 1 21 - 25

Anmerkungen zur Tabelle

- Die Besonderheiten an Hanföl:

— Das Verhältnis N-6 zu N-3 ist im Hanföl mit ca. 3:1 ernährungsphysiologisch und bezogen auf das Fettsäurespektrum der menschlichen Haut (4:1) nahezu ideal.
— Hanföl hat mit einem Anteil von ca. 90 % an mehrfach ungesättigten Fettsäuren unter den Pflanzenölen einen der höchsten Gehalte an diesen wertvollen Fettsäuren überhaupt.
— Hanföl ist das einzige Speiseöl, das Gamma-Linolensäure (GLA) enthält. Ansonsten enthalten nur die Sonderkulturen Nachtkerze und Borretsch GLA. Diese Öle werden nicht als Speiseöle eingesetzt, sondern in Kapseln verabreicht.

EFA können von unserem Körper nicht synthetisiert werden und müssen daher in der Ernährung vorhanden sein. Die dreifach ungesättigte Alpha-Linolensäure macht einen großen Anteil - typischerweise 15 bis 25 % - der gesamten Hanf-Fettsäuren aus. Ölsäure und gesättigte Fettsäuren machen ca. 20 % Anteil aus.

Hanföl enthält verschiedene "höhere Fettsäuren”, d.h. solche, die der menschliche Körper jeweils aus den zwei EFA bildet. Am wichtigsten sind Gamma-Linolensäure (GLA, 18:3 N-6) und Stearidonsäure (SDA, 18:4 N-3), d.h. jeweils die ersten Metaboliten der N-6- und N-3-Familien.

Die folgenden Eigenschaften des Hanföls sind für Nährwert und Gesundheit von Bedeutung

Die meisten alltäglich verwendeten Öle (Sonnenblumen, Soja, Raps und Mais) liefern genug Linolsäure. Allerdings liefern nur Soja- und Rapssamenöl kleine Mengen Alpha-Linolensäure (ALA). Der an ALA reiche Flachssamen ist wegen der Oxidationsinstabilität seiner Fettsäuren und wegen des Geschmacks seines Öls nicht zum Kochen geeignet. Da Fleisch und Getreide ebenfalls keine wichtigen Quellen für ALA oder höhere N-3-Fettsäuren darstellen, mangelt es in der menschlichen Ernährung in den westlichen Ländern üblicherweise an N-3-Fettsäuren. Es gibt Hinweise darauf, dass N-3-Fettsäuremangel zu verschiedenen weit verbreiteten, akuten und chronischen Erkrankungen beiträgt. Das typische Verhältnis von Linolsäure zu Alpha-Linolensäure im Hanföl liegt mit ca. 3:1 nah bei einem Verhältnis von 4:1 bis 6:1, welches von Ernährungswissenschaftlern als optimal angesehen wird (Rudin und Felix 1996). Dieses Verhältnis ist wesentlich niedriger als bei allen anderen üblicherweise zum Kochen verwendeten Pflanzenölen, mit Ausnahme von Rapsöl.

Schließlich enthält Hanföl mittlere bis hohe Konzentrationen an Antioxidanzien des Vitamin-E-Komplexes (100-150 mg pro 100 Gramm Öl, hauptsächlich Gamma-Tokopherol) und kleine Mengen an verschiedenen anderen nützlichen oder essenziellen Bestandteilen (Phytosterole, Phospholipide, Karotin und mehrere Mineralien).

Gamma-Linolensäure

Das Vorkommen geringer Mengen an Gamma-Linolensäure (GLA) und Stearidonsäure (SDA) im Hanföl bietet über die günstige Zusammensetzung der Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolensäure hinaus einen zusätzlichen Nutzen für Personen, bei denen die metabolische Konversion der beiden essenziellen Fettsäuren (EFA) zu diesen höheren Fettsäuren durch genetische, ernährungsbedingte oder andere Lebensumstände nicht oder nicht in ausreichendem Umfang stattfindet.

Im Allgemeinen benötigt der gesunde Organismus keine Gamma-Linolensäure, da die Gamma-Linolensäure durch ein Enzym, die Delta-6-Desaturase aus der Linolsäure gebildet wird.

Um vollständig vom Körper genutzt werden zu können, muss die Linolsäure in eine Anzahl anderer Substanzen metabolisiert werden. Dabei besteht der erste Schritt in der durch Delta-6-Desaturase geförderten Umwandlung in Gamma-Linolensäure. Dieser Schritt geschieht langsam und stellt beim Menschen den limitierenden Schritt dar. Wenn die Delta-6-Desaturase-Aktivität aus irgendeinem Grund vermindert ist, dann können gesundheitliche Störungen auftreten (Horrobin 1993). Die Gabe der Metaboliten kann dann eine adäquate Maßnahme sein, um die normale Funktion zu gewährleisten (Horrobin 1993).

Der Vergleich der Zusammensetzung des Hanföls mit der anderer Öle zeigt (siehe Tabelle), dass der Anteil an GLA im Hanföl nicht besonders hoch ist. So enthalten z.B. Borretsch- und Nachtkerzenöl jeweils höhere Konzentrationen an GLA. Doch ihre Instabilität, der unangenehme Geschmack oder die höheren Kosten machen diese Öle als Speiseöle ungeeignet - sie werden am Markt vor allem in Form von Kapseln angeboten.

Hanfsamen dagegen erzeugen bei vorsichtiger Behandlung und kalter Pressung ein schmackhaftes Öl. Es eignet sich für die Zubereitung von Salaten, Dips, Saucen, Suppen und zum Anrösten, allerdings nicht zum Braten und Frittieren. Daher liegt der Wert des Hanföls in der Kombination eines nahezu idealen Fettsäurespektrums (N-6 zu N-3 ca. 3:1) mit seiner vielseitigen ernährungsphysiologischen Bedeutung, dem Gehalt an GLA (2 - 4 %) und einem interessanten Geschmack. Dies macht es zu einem viel versprechenden Bestandteil moderner "funktionaler Lebensmittel".

Zudem eignet sich Hanföl wegen seiner günstigen Fettsäurezusammensetzung zur Verwendung in externen Hautpflegemitteln (Salben, Hautöle). Andere GLA-haltige Pfllanzenöle wie Nachtkerzenoder Borretschöl haben ein ungünstiges N-6 zu N-3-Verhältnis von ca. 30:1, das nicht dem Fettsäurespektrum der menschlichen Haut entspricht (4:1).

Siehe auch:

Der therapeutische Nutzen von GLA und Hanföl

Auszug: Gutachterliche Stellungnahme des nova-Instituts

Hürth, den 20. Februar 2003

im Auftrag von:

Roger Bottlang, Schweiz

P.S.

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Hanfsamen und das daraus gewonnene Hanföl weisen eine hohe Konzentration der essenziellen Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolensäure (ALA) und zudem der "höheren Fettsäuren”, Gamma-Linolensäure (GLA) und Stearidonsäure (SDA), d.h. jeweils die ersten Metaboliten der N-6- und N-3- Familien, auf. Von besonderem Wert ist das Verhältnis der N-6 zu N-3 Fettsäuren, das mit ca. 3:1 sehr nah am ernährungsphysiologisch idealen Verhältnis von 4:1 bis 6:1 liegt und auch nahezu dem Fettsäurespektrum der menschlichen Haut entspricht (4:1).

Dieses Fettsäurespektrum macht Hanf zu einem Öl, das nach den Ergebnissen einer Anzahl klinischer Studien bei verschiedenen Erkrankungen einen therapeutischen Nutzen haben kann, darunter Neurodermitis, rheumatoide Arthritis, Herzkreislauf-Erkrankungen und prämenstruelles Syndrom. Bei der Neurodermitis zeigte auch eine externe Verwendung eine therapeutische Wirksamkeit. Zudem ist Hanföl wegen seiner günstigen Fettsäurezusammensetzung zur Verwendung in Körperpflegeprodukten für Gesunde und Personen mit leichten Hautproblemen geeignet.

Artikel modifiziert Dienstag 24. Januar 2006 02:39, Erscheinungsdatum Sonntag 22. Januar 2006 03:41

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