Hanf-Initiative (PJgD):«Weniger Moralin, mehr Fakten»
Die Stiftung Contact-Netz wirbt für eine Legalisierung von Cannabis Die bisherige Verbotspolitik beim Cannabis habe versagt, findet die Stiftung Contact-Netz. Gestern rührte sie in Bern die Werbetrommel für ein Ja zur Hanfinitiative.
1. November 2008
Die drogenpolitische Debatte in der Schweiz dreht sich im Kreis», sagte Therese Frösch, Präsidentin der Stiftung für Suchtarbeit Contact-Netz, gestern vor den Medien in Bern. «Die Prohibition von Cannabis ist realitätsfremd und erschwert den Werdegang von Jugendlichen.»
Die grüne Nationalrätin warb zusammen mit Alec von Graffenried, ihrem Parteikollegen im Nationalrat und im Contact-Stiftungsrat, und mit Contact-Leiter Jakob Huber für ein Ja zur Hanfinitiative, die eine Legalisierung von Cannabis fordert.
«Vertrauen statt Versteckspiel»
«Wir wollen Cannabis weder dämonisieren noch banalisieren», sagte Huber. Kiffen berge wie jeder Konsum einer psychoaktiven Substanz Risiken. Doch Verbote beförderten den risikoreichen Konsum: Wer Cannabis auf dem Schwarzmarkt kaufen müsse, könne nie wissen, wie viel vom Wirkstoff THC es enthalte. Mit einer Legalisierung des Hanfkonsums könnten dagegen klare Grenzwerte festgelegt, der Verkauf könnte kontrolliert werden – «und für Jugendliche würde der Reiz des Verbotenen wegfallen», sagte Huber. Auch könne dann der Markt für Cannabis klar von dem illegalen für harte Drogen wie Kokain und Heroin getrennt werden.
Und nicht zuletzt ergeben sich nach Einschätzung von Huber neue Möglichkeiten für die Beratung: «Wenn Cannabis nicht mehr kriminalisiert wird, kann statt des ewigen Versteckspiels Vertrauen einkehren und der Dialog offener werden.» Er sei überzeugt, dass die Diskussionen ums Kiffen «weniger Moralin und mehr Fakten» enthalten würden, sagte Huber.
Kiffen gefährdet Sicherheit nicht
Seine Position möge einigen vielleicht widersprüchlich erscheinen, sagte Alec von Graffenried: Im Jahr 2001 habe er als damaliger Regierungsstatthalter in Bern die Schliessung sämtlicher Hanfläden verfügt – und nun kämpfe er für die Cannabis-Legalisierung. Doch die Sicherheitsprobleme von damals hätten ihm keine andere Wahl gelassen: «Wir erlebten die negativen Auswirkungen der Cannabis-Prohibition in vollem Ausmass, mit Schusswechseln und dem Aufkommen von Schutzgeld-Erpressung.» Damals seien Dritte wie auch die öffentliche Sicherheit gefährdet gewesen. Heute sei die Situation aber anders. Das Gesetz solle es jedem selbst überlassen, ob er Cannabis konsumieren wolle oder nicht, sagte der Jurist von Graffenried.
Für die Revision des Betäubungsmittelgesetzes wirbt Contact nächste Woche in einer separaten Medienkonferenz zusammen mit dem Verein für heroingestützte Behandlung Koda und der kantonalen Gesundheitsdirektion.











