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Hanfläden geschlossen, dafür bandenmässig organisierter Handel

Keine Vermischung der Drogenszenen, dafür bandenmässig organisierter Handel: Obwohl die Polizei viele Hanfläden geschlossen hat, floriert ein immer lukrativerer Haschischhandel.

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von Jean-Martin Büttner

Aus den Städten kommt teilweise Entwarnung. Zwar stockt die Revision des Betäubungsmittelgesetzes, seit der Nationalrat sie im letzten Sommer hat scheitern lassen. Zwar hat sich die Schweizer Drogenpolitik in der Folge erneut verhärtet. Zwar geht die Polizei in vielen Städten wie Basel oder St. Gallen wieder schärfer gegen Hanfläden vor; viele wurden geschlossen, andere werden enger kontrolliert. Dennoch scheint sich eine Befürchtung nicht zu bestätigen, die von liberalen Kreisen immer wieder geäussert worden war: dass sich der Handel für weiche und harte Drogen vermischen könnte, weil Cannabiskonsumenten ihren Stoff wieder auf der Strasse und beim Heroindealer einkaufen müssten.

Das geht aus einer Umfrage des TA bei den Polizeistellen der Städte Zürich, Basel, Genf, Bern, Lausanne, Winterthur, St. Gallen und Aarau hervor. Haschischkonsumenten geraten nicht an Dealer harter Drogen, wenn sie auf der Strasse ihren Stoff kaufen. Und zwar unabhängig davon, ob die Polizei ihre Regime stark verschärft hat wie zum Beispiel in Basel, St. Gallen oder Genf - oder ob sie es schon immer streng handhabte wie etwa in Aarau oder Lausanne, zwei Städten mit einem besonders repressivem Ansatz.

Rückzug auf den Balkon

Dass die Drogenszenen getrennt bleiben, werten Fachleute zunächst als Beleg dafür, dass Haschisch keine Einstiegsdroge ist. Im Übrigen laufe der Strassenhandel für Heroin oder Kokain an typischen Standorten ab, sagt der Basler Polizeisprecher Markus Melzl, während der Handel mit weichen Drogen über «abgeschottete Orte» abgewickelt werde, oft über Kuriere mit einem festen Kundenstamm. Vor allem jugendliche Käufer, sagt Regula Müller von der Berner Drogenkoordination, bezögen ihren Stoff zur Hälfte von Freunden und Bekannten. Dazu passt die Beobachtung der St. Galler Polizei, wonach die Ware vermehrt en gros bezogen und über Zwischenhändler weiterverkauft wird. Andere Konsumenten pflanzen den Hanf wieder auf ihren Balkonen an. Wieder andere beziehen ihn statt in den Hanfläden einfach in Videotheken, Kleiderläden und Sexshops. Dennoch seien sowohl Preise wie auch THC-Gehalt für Haschisch und Marihuana stabil geblieben, heisst es fast überall. Wie die Umfrage weiter zeigt, wird die Entwicklung umso positiver beschrieben, je repressiver die betriebene Drogenpolitik ausfällt. So sieht man zum Beispiel in St. Gallen, Aarau oder Lausanne keinen Grund, von der harten Linie abzuweichen; vor allem im Umfeld von Schulen, heisst es bei der St. Galler Kantonspolizei, habe sich die Situation beruhigt. Damit stossen die Polizeibeamten bei den Suchtberatungsstellen ihrer eigenen Kantone auf Widerspruch. «Die Repression führt nicht zum gewünschten Ziel», sagt knapp Jürg Niggli von der St. Galler Suchthilfe.

Im Gegenteil, hört man aus den grösseren Basel und Zürich; dort wird mit wachsender Sorge registriert, dass sich der Vertrieb im Zuge der Repression professionalisiert. «Der Handel hat sich vom Kleingewerbe der Hanfpioniere immer mehr Richtung organisierte Kriminalität wegentwickelt», sagt der Zürcher Drogendelegierte Michael Herzig. Das heisse nicht, dass dieselben Dealer harte und weiche Drogen verkauften. «Es heisst aber, dass wieder vermehrt bandenmässig organisierte Strukturen den Handel mit Haschisch und Marihuana beherrschen.» Je stärker der Druck auf den Cannabishandel anwachse, desto eher drohe die organisierte Kriminalität diesen Handel wieder zu übernehmen.

Enorme Gewinnmargen

Dass auch weiche Drogen vermehrt von organisierten Banden vertrieben werden, hat noch einen anderen Grund: Die Gewinne sind so hoch wie bei keiner anderen Substanz, inklusive Heroin oder Kokain - und dies bei gleichzeitig geringen Strafen im Verhaftungsfall. Hanf kann heute im Inland billig und im grossen Stil produziert werden, in hochprofessionell betriebenen Indoorplantagen, die bis zu drei Ernten pro Jahr erlauben. «Der Haschischdealer fährt heute einen Mercedes derS-Klasse», kommentiert Beat Rhyner vom Zürcher Chefkommissariat Fahndung. Er hat «enorme Gewinnmargen» von bis zu fünfzig Prozent und Wochenumsätze von bis zu 50 000 Franken beobachtet.

Pilotversuch für legalen Verkauf

Somit wird das Drogenproblem dank aufwändiger Polizeirepression zwar weniger sichtbar, was vor allem den Politikern gefällt. Es bleibt deswegen aber nicht weniger virulent. Aus Bern kommt deshalb der Vorschlag, den streng kontrollierten Verkauf von Hanfprodukten in einem Pilotversuch zu testen. Bislang liess es die Berner Stadtregierung bei einer Absichtsbekundung bewenden, auch auf Nachfrage werden keine klaren Termine genannt, zudem fehlt die rechtliche Legitimation.

Dennoch stösst der Vorschlag in anderen Städten auf Interesse, wo die Polizei Wichtigeres zu tun hätte, als sich mit Hanfkonsumenten herumzuschlagen. Ohne die entsprechende Politik bleibt der Spielraum aber eng. «Wir wenden bloss das Gesetz an», sagt Olivier Cartier von der Genfer Taskforce Drogen, Vertreter einer repressiven Drogenpolitik auch bei Cannabis; «wird das Gesetz geändert, ändern sich auch unsere Einsätze».

P.S.

Tagesanzeiger 23 maggio 2005

Erscheinungsdatum Mittwoch 4. Oktober 2006 01:54

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