Im Gefängnis gehören Drogen zum Alltag

Viele Gefangene kommen drogensüchtig ins Gefängnis - und sie bleiben auch in der Haft abhängig. Nachschub ist anscheinend ausreichend zu haben.

http://www.swp.de 09.01.2010

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2008 wurden 6519 Gefangene 17 257 Mal auf Drogen getestet. Positiv fiel der Test bei 1217 Häftlingen aus. Nach Angaben des Justizministeriums kommen die verbotenen Drogen auf unterschiedlichem Wege in den Knast. "Durch Schmuggel von Gefangenen oder deren Besuch, aber auch per Brief oder Paket oder durch Mauerwürfe", sagt Ministeriumssprecher Stefan Wirz. Der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Ernst Steinbach, spricht von einer "Bankrotterklärung". Selbst Omas und Babys im Kinderwagen werden nach Steinbachs Worten missbraucht, um Heroin in die Gefängnisse zu schmuggeln. "Eine Ganzkörperkontrolle durch die Polizei ist nur bei einem begründeten Verdacht möglich." Dieser liege nicht oft vor.

In Einzelfällen sind bei der Beschaffung von Drogen aber auch Justizbeamte beteiligt. "Das führt für den Bediensteten zu strafrechtlicher Verfolgung und hat außerdem disziplinarrechtliche Konsequenzen, die - je nach Vorwurf - zur Entfernung aus dem Dienst führen." Post und Pakete würden mit moderner Röntgen-Technik überwacht, sagt Ministeriumssprecher Wirz. "In Bezug auf Mauerwürfe wurden und werden, soweit möglich, Kameras installiert, um die Vorfeldbereiche besser überwachen zu können." Auch Rauschgiftspürhunde würden eingesetzt.

2009 wurden für die medizinische Versorgung der Gefangenen im Südwesten 22 Millionen Euro ausgegeben - das sind rund acht Euro pro Gefangenem und Tag. "Viele Gefangene kommen mit einer hohen gesundheitlichen Belastung in den Vollzug", sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP). Im Südwesten gibt es 17 Justizvollzugsanstalten mit 28 Ärzten, das Gefängniskrankenhaus Hohenasperg hat 16 Ärzte. Nicht nur Drogen machen den Gefangenen und Ärzten zu schaffen. Im Berichtsjahr wurden auch zahlreiche schwere Infektionskrankheiten gezählt. So gab es zum Stichtag 31. März 2008 insgesamt 544 Hepatitis-B-Fälle und 964 Fälle von Hepatitis C.

Zum Gebrauch verschiedener Drogen liegen nach Angaben des Justizministeriums folgende Schätzwerte aus dem Jahr 2008 vor: 82 Prozent der Insassen sind Raucher, 39 Prozent sind abhängig von Cannabis, 23 Prozent von Heroin oder sonstigen Opiaten. Alkoholabhängig sind 14 Prozent, 9 Prozent konsumieren Crack/Kokain und jeweils 6 Prozent Amphetamine und Ecstasy. "Der relativ geringe Wert bei Alkohol und der relativ hohe Wert bei Heroin überraschen. Dem müssen wir nachgehen", sagte Ministeriumssprecher Wirz. lsw

Artikel modifiziert Sonnabend 23. Januar 2010 18:12, Erscheinungsdatum Sonnabend 23. Januar 2010 18:11
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