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Immer mehr Süchtige suchen nach Hilfe

Wartezeiten in Beratungsstelle nehmen zu / Cannabis-Konsum bei Jugendlichen ein Problem

Die meisten Jugendlichen, die zur Beratung kommen, haben Probleme mit Cannabis.

Es hat sich einfach rumgesprochen, dass wir als Ansprechpartner zur Verfügung stehen

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Vom 12.11.2005

INGELHEIM Cannabis-Konsum, Alkoholmissbrauch, Ess-Störungen oder selbstverletzendes Verhalten - die Nachfrage an Beratungsgesprächen in der Sucht- und Jugendberatungsstelle in Ingelheim hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Von

Mechthild Göbel

Die erhöhte Nachfrage liege aber nicht daran, dass sich die Suchtproblematik verschärft habe. "Es hat sich einfach rumgesprochen, dass wir als Ansprechpartner zur Verfügung stehen", sagt Matthias Trost, Leiter der Beratungsstelle.

Und damit entstehen Wartezeiten, die der Verein eigentlich verhindern möchte. Denn: Die Hemmschwelle zu einem ersten Beratungsgespräch zu kommen, sei ohnehin sehr hoch. "Manche Leute gehen erst 20 Mal an unserem Haus vorbei, bevor sie sich trauen zu klingeln", weiß Trost. Erwachsene kämen erst, wenn sie den Anstoß vom Partner oder dem Arbeitgeber bekämen, Jugendliche würden meist von Eltern oder der Schule geschickt.

Die meisten Jugendlichen, die Rat suchen, haben Probleme mit Cannabis. Das sei zwar nichts Neues. Allerdings habe sich das Konsumverhalten geändert. Früher gab es eher einen gelegentlichen Konsum, während die Jugendlichen heute häufiger und intensiver Cannabis rauchen. Zudem sei der Wirkstoffgehalt aufgrund anderer Züchtungen höher. Die Folge: "Wir haben immer mehr Jugendliche mit psychischen Veränderungen", sagt Trost und ergänzt: "Es ist auffällig, dass einige schon sehr jung in der Psychiatrie landen."

Auch Probleme mit Alkohol nähmen bei jungen Menschen zu. Kampftrinken, mit dem Ziel sich zu berauschen, sei "in". "Alkohol ist wieder ein Thema. Mein persönlicher Eindruck ist, dass es selbstverständlicher geworden ist, mit Bierflasche durch die Gegend zu laufen." Ein neueres Phänomen, das bei jungen Menschen immer häufiger auftrete, sei selbstverletzendes Verhalten. Vor allem Mädchen ritzen sich mit Messer oder Rasierklinge die Arme auf.

Erwachsene suchten die Beratungsstelle meist erst nach einer jahrelangen Sucht auf, dann, wenn Ehen daran längst zerbrochen und Arbeitsplätze verloren sind. Medikamenten- und Alkoholabhängigkeit sowie Spielsucht seien hier die gravierendsten Probleme. Besonders tragisch: Aufgrund der derzeitigen Arbeitsmarktsituation seien die Perspektiven von Suchtkranken besonders ungünstig. "Wenn es sowieso nicht genug Arbeitsplätze gibt, ist es für Suchtkranke noch schwieriger, eine Stelle zu finden. Und wer keinen Job hat und damit kein regelmäßiges Leben, kommt auch schwieriger von einer Sucht weg", erklärt Trost.

Je früher jemand bereit sei, zur Beratung zu kommen, desto größer sei auch die Chance, dass man von der Sucht wieder loskommt oder sich das Problem lösen lässt. Matthias Trost und seine Mitarbeiter wollen mit Info-Veranstaltungen dazu beitragen, die Hemmschwelle zu senken, die Beratungsstelle aufzusuchen. "Jeder, der zur Beratung geht, denkt, er hat ein massives Problem. Und genau das ist das Problem", sagt Trost. An den Wartezeiten könne allerdings nichts geändert werden. Dazu fehle das Geld.

Erscheinungsdatum Montag 5. Dezember 2005 03:40

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