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Mein Sohn kifft!

2002/12/12 - Basler Zeitung

Seit ein paar Monaten verkehrt mein Sohn (13) mit Schulkollegen, bei denen mir nicht ganz wohl ist. Als ich dann letzte Woche herausgefunden habe, dass er kifft, habe ich realisiert, dass ich mir schon längere Zeit Sorgen um ihn mache. Wenn ich versuche, mit ihm darüber zu reden, lacht er mich aus und findet, ich übertreibe. Er habe alles im Griff, meint er. Ich fühle mich in dieser Situation ziemlich hilflos. Ich befürchte, dass ein Verbot meinerseits ihn noch mehr zum Kiffen anspornt. Auf der andern Seite habe ich Angst, dass zu viel Verständnis für ihn ein Freipass wäre, zu tun und zu lassen, was er will. Was raten Sie mir?

Ihr Sohn ist in einem Alter, in dem er sich freischaufeln will und muss. Er findet vielleicht, er sei sein eigener Herr und Meister, ist es aber noch nicht wirklich. Diese Spannung kann zu Trotz und unüberlegtem Handeln führen. Für viele Heranwachsende ist die Pubertät eine Phase grosser innerer Krisen, weil sie in ihrer Entwicklung zwischen Kind- und Erwachsensein hin- und herschwanken.

Wichtig ist, im Gespräch mit ihm herauszufinden, ob er regelmässig kifft oder Cannabis "nur" ausprobiert hat. Es kann z. B. auch sein, dass er unter einem Gruppendruck steht. Meines Erachtens ist es sinnvoll, ihm klare Grenzen zu setzen, sie mit ihm zu besprechen und ihm auch zu erklären, ohne sich dabei zu verhärten. Das ist für die Eltern ein schwieriger Balanceakt zwischen begründeten Verboten und notwendigem Verständnis. Ganz klar ist, dass Jugendliche Grenzsetzungen brauchen, sie gleichzeitig aber auch verstehen müssen.

Grundsätzlich sollten auch Sie sich über Ihre Haltung den so genannten weichen Drogen gegenüber klar werden. Noch ein Punkt, den Sie nicht erwähnt haben: Was ist mit seinem Vater? Ist er auch besorgt? Was ist seine Rolle bei diesem Problem? Unterstützt er Sie?

Ein wesentlicher Punkt im Gespräch mit Ihrem Sohn sollte die Frage sein, was er in seinem Leben will! Was ist seine Ausrichtung, hat er eine Zukunftsvision? Was kann bzw. will er tun, um dorthin zu gelangen? Machen Sie ihm verständlich, dass durch regelmässigen Haschischkonsum in seinem Alter die Gefahr des Abdriftens besteht. Weil er dann mit der Zeit die nötigen (Schul-)Leistungen nicht mehr erbringt, die Dinge anders sieht und dann vielleicht eine "Null-Bock-Haltung" einnimmt. Denn auch der Konsum von weichen Drogen schafft eine psychische Abhängigkeit und die Lust, das innere Abschalten immer wieder zu erleben.

Es ist sehr wichtig, dass Sie nicht einfach die Augen verschliessen und darauf bauen, dass Ihr Sohn schon zur Vernunft kommt. Er ist in einem Alter, in dem Weichen für das weitere Leben gestellt werden. Er ist immer noch ein Kind und braucht die elterliche Hilfe, Unterstützung und Grenzen. Und: Weiche Drogen können speziell für Menschen in seinem Alter gefährlich sein.

Auf jeden Fall sollten Sie trotz seiner Tendenz, sein Verhalten zu verharmlosen, weiterhin das Gespräch mit ihm suchen. Auch wenn es in gewissen Situationen einfacher wäre, zu schweigen, sollten Sie hartnäckig und kritisch bleiben. Auch wenn das immer wieder zu Konflikten und Streit führt. Wenn Sie einen guten Draht zu ihm haben und gegenseitiges Vertrauen da ist, ist das einfacher. Dann kann er Ihren Standpunkt auch trotz möglicher Meinungsverschiedenheiten hören und sich mit Ihnen auseinander setzen.

Barbara Burkhardt, Fachpsychologin für Psychotherapie und klinische Psychologie FSP.
Artikel modifiziert Freitag 24. Oktober 2003 13:00, Erscheinungsdatum Donnerstag 12. Dezember 2002 00:00

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