’Nachwachsende Rohstoffe in Autos sind kein unerklärliches Phänomen.’

Flachs, Sisal und Hanf werden zur Herstellung der Türinnenverkleidungen, der Hutablagen und der Verkleidung der Fahrersitzlehnen verwendet.

"Nachwachsende Rohstoffe in Autos sind kein unerklärliches Phänomen"
Flachs, Hanf, Sisal & Co.

Der Weg der Fasern vom Feld ins Auto war lang und aufwändig. Wichtig war zunächst, die unterschiedlichen Faserpflanzen kennen zu lernen und ihre verschiedenen Fasertypen zu identifizieren. Der so genannte Grünflachs ist zum Beispiel dank seiner groben Fasern besonders gut für technische Anwendungen geeignet. Der serienmäßige Einsatz der Naturfasern - alleine oder im Verbund mit unterschiedlichen Kunststoffen - im Innen- und Außenraum von Fahrzeugen ist inzwischen sehr vielfältig:

 Flachs, Sisal und Hanf werden zur Herstellung der Türinnenverkleidungen, der Hutablagen und der Verkleidung der Fahrersitzlehnen verwendet.
 Kokosfasern, eingebunden in Naturkautschuk, finden sich in Sitzlehnen und Sitzpolstern wieder.
 Wolle und Baumwolle werden u.a. zu Bezugsmaterialien für Sitze und Kopfstützen sowie zu Dämmstoffen verarbeitet.
 Reißbaumwolle und ein Rezyklat-Kunststoff werden in der E-Klasse für die Kofferraumverkleidung eingesetzt.
 Holzfasern werden als so genannter Pressstoff für den Unterbau der Instrumententafel in der A-Klasse verwendet.

Insgesamt sind zwischenzeitlich rund 140 Fahrzeugteile von der A-Klasse über die C-, E-, bis zur S-Klasse aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Walzen und Knicken für bessere Qualität
Ein Problem bei der Gewinnung von Naturfasern ist die schwankende Qualität. Traditionell bleibt zum Beispiel der abgemähte Flachs rund drei Wochen lang auf dem Feld liegen. In dieser Zeit verrotten die holzigen Anteile der Pflanzenstängel. Beim anschließenden Hecheln - eine Art Auskämmen - werden diese Teile entfernt, und es entsteht eine sehr feine Flachsfaser. Solche Fasern eignen sich aber nur für die Textilbranche. Für technische Anwendungen sind grobe Fasern besser geeignet: Sie sind stabiler und verbinden sich wegen ihrer rauen Oberfläche gut mit den Kunststoffen. Deshalb haben die Forscher ein neues Verfahren entwickelt. Dabei bleiben die abgemähten Flachspflanzen nur zwei bis drei Tage zum Trocknen auf dem Feld liegen. Die holzigen Anteile werden dann mechanisch durch Walzen und Knicken der Stängel entfernt. Bei dem so gewonnenen Flachs bleibt die Faserqualität konstant, denn das Verfahren ist unabhängig von der Witterung. Darüber hinaus ist die auf diese Weise gewonnene Menge Fasern pro Pflanze wesentlich größer als bei der traditionellen Ernte.

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Artikel modifiziert Montag 5. Juli 2004 15:05, Erscheinungsdatum Montag 5. Juli 2004 15:04
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