Scientific American: Behinderung der Cannabis-Forschung ist absurd!

In einem Editorial fordert der "Scientific American" - neben "Nature" die führende Wissenschaftspublikation überhaupt- die geltenden Einschränkungen der Marijuana-Forschung abzubauen:

Das menschliche Gehirn produziert und verarbeitet Substanzen, die eng mit den Wirkstoffen von Cannabis verbunden sind. Diese Substanzen werden "endogene Cannabinoide" genannt. Wie das Journal "Nature Medicine" 2003 formulierte: "Das Endocannabinoid-System spielt eine wichtige Rolle in allen Bereichen des Schmerzes, der Erinnerung, der Neuro-Degenration und der Entzündungen. "Cannabinoide", so heißt es weiter, "haben ein enormes klinisches Potential". Dieses Potential schließt Schmerzbehandlung, Nervenverletzungen, die Übelkeit bei Chemotherapie, Appetitanregung bei AIDS und mehr ein.

Allerdings behindern überholte Vorschriften die notwendige Erforschung von Marijuana. Tatsächlich können zum Beispiel amerikanische Forscher leichter Kokain erhalten und erforschen. Marijuana ist als "Schedule 1" -Droge wie Heroin oder LSD eingestuft . Deshalb gilt es als potentiell süchtigmachend und ohne medizinischen Nutzen - was unter diesen Umständen zu einer selbst-erfüllenden Prophezeiung wird. Jeder Forscher, der Marijuana erhalten möchte muß es über das National Institute on Drug Abuse (NIDA). Die Ernte der einzigen US-Anbaustation wird allerdings als nicht sehr potent eingeschätzt - und deshalb medizinisch wenige interessant als das auf der Straße erhältliche Marijuana. Deshalb erweist die offizielle Versorgung der Erforschung von über 60 medizinisch interessanten Cannabinoiden einen schlechten Dienst.

Dieses System hat unbeabsichtigt nahezu komische Konsequenzen. So hat es einen Markt für Forschungs-Marijuana geschaffen, bei denen "Käufer" ihre Autorenschaft an Berichten "Verkäufern" übertragen, da diese eine Lizenz zu Besitz oder Verkauf besitzen. Auch zeigt die Regierung Interesse an den Ergebnissen. Ein Forscher berichtet, dass sein Antrag den möglichen medizinischen Nutzen von Marijuana zu erforschen, vom NIDA abgelehnt wurde. Als er den Antrag umschrieb und auf die negativen Effekte von Marijuana konzentrierte, wurde er genehmigt.

Man könnte einwenden, dass derlei Forschung überflüssig ist, da es mit Marinol eine synthetische Version des Cannabis-Wirkstoffs THC gibt, der appetitanregend und übelkeitshemmend wirkt. Aber viele Patienten waren von Marinol im Vergleich zu natürlichem Marijuana enttäuscht. Das New England Journal of Medicine stellte 1997 fest, dass die wirksame Dosis (von Marinol) schwer zu finden ist und es nicht viel verschrieben wird. Im Gegensatz dazu führt das Rauchen von Marijuana zu einem sofortigen Anstieg der Wirkstoffe im Blut und eignet sich deshalb besser zur Therapie.

Es wäre ein vernünftiger Schritt auch amerikanischen Forschern zu erleichtern Marijuana zu untersuchen. Großbritannien, das im "war on drugs" keinen Weichling spielt, ist diesen Weg gegangen, und genehmigte einer pharmazeutischen Firma den Anbau verschiedener Sorten für klinische Versuche.

Der Ruf nach Marijuana-Forschung ist keine verdeckte Forderung nach Legalisierung - Erleichterungen der Forschungshindernisse würden nicht eine Neueinstufung erfordern und auch für die Regelungen einiger Bundesstaaten zu medizinischem Marijuana keine Auswirkungen haben. Das Journal of the American Medical Association stellte 1995 in einem Editorial fest: "Wir fordern von unseren Lesern keine sofortige Zustimmung zu unserem Befund, das Marijuana ein medizinisches Potential hat, aber wir hoffen, dass sie sich verstärkt dafür einsetzen, dieses Potential offen und legal zu erforschen." Nach nahezu zehn Jahren, in denen kaum Fortschritte gemacht wurden, können wir diese Forderung nur wiederholen.

Scientific American, 22.Nov. 2004
  • The human brain naturally produces and processes compounds closely related to those found in Cannabis sativa, better known as marijuana see "The Brain's Own Marijuana," by Roger A. Nicoll and Bradley E. Alger.
Erscheinungsdatum Dienstag 23. November 2004 12:10
was no in of histories
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