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Sieben Monate bedingt für Tessiner "Hanfdoktor"

Das Strafgericht Lugano hat einen wegen eines umfangreichen Handels mit Cannabis angeklagten Tessiner Arzt wegen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu sieben Monaten Gefängnis bedingt verurteilt. Der Arzt war VR-Präsident von Firmen, die mit Hanf handelten und hatte Patienten Tropfen aus Hanfpflanzen verschrieben. Mit dem Strafmass blieb der Einzelrichter des Strafgerichts Lugano deutlich unter dem Antrag der Anklage. Staatsanwalt Antonio Perugini hatte für den 57-jährigen Arzt und ehemaligen Kantonsparlamentarier der Grünen anderthalb Jahre Gefängnis unbedingt und 50.000 Franken Busse beantragt. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

Die Anklage warf dem Mann vor, im Jahr 2002 in seiner Wohngemeinde Gravesano eine Hanfpflanzung angelegt zu haben, um daraus Tropfen für rund 60 Patienten herzustellen. Die Pflanzen hatten einen THC-Gehalt von über drei Prozent und gelten damit als Betäubungsmittel. Einem Teil der Patienten habe er Tee verkauft im Wissen, dass dieser in Wirklichkeit zur Produktion von Joints diente. Staatsanwalt Perugini hatte den Mann aber auch wegen schwerer Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz vor Gericht gebracht. So soll der Arzt unter anderem als Verwaltungsratspräsident einer Tessiner Firma an einem umfangreichen Handel mit Marihuana beteiligt gewesen zu sein. Das Unternehmen wies eine Jahresproduktion von 4,5 Tonnen Hanf aus und belieferte über 100 Hanfläden im Tessin. Der Arzt war im Mai 2003 verhaftet worden. Für Staatsanwalt Perugini war klar, dass der Arzt sehr wohl wusste, dass die tonnenweise angebauten Hanfpflanzen nicht nur für die Produktion von Tropfen für Heilungszwecke dienten. Neben einer verachtenden Einstellung gegen die Gesetze sei auch eine gewisse Geldgier im Spiel gewesen. Der Verteidiger machte dagegen geltend, dass der Arzt nur zum Wohl seiner Patienten gehandelt habe und allenfalls von den Hanfanbauern für ihre Zwecke missbraucht worden sei.

Der Einzelrichter verurteilte dem Mann wegen Gehilfenschaft zu Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu sieben Monaten Gefängnis bedingt. Zudem werden 30.000 Franken unrechtmässig erworbener Gewinn eingezogen. Die von der Staatsanwaltschaft dem Mann vorgeworfenen qualifizierten Verstösse waren für das Gericht nicht erwiesen. Es genüge nicht, als Verwaltungsratspräsident in einer derartigen Gesellschaft Einsitz zu nehmen. Der Richter kam aber zur Überzeugung, dass der Arzt gewusst haben muss, dass er mit leichten Drogen handelte und dass der Hauptzweck der Gesellschaften der Handel mit Cannabis war. Die Tropfen, die er seinen Patienten verschrieben habe, seien therapeutisch wertlos gewesen. Sie hätten aber einen hohen THC-Gehalt aufgewiesen, so dass es sich um Betäubungsmittel gehandelt habe.

Baslerzeittung v. 21.09.2005 ( AP/baz. )

Artikel modifiziert Donnerstag 22. September 2005 09:57, Erscheinungsdatum Donnerstag 22. September 2005 09:56

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