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Süchtig nach Öl

Surprise Strassenmagazin, Nr 65, 2003

Öl ist überall: In Zahnbürste, Autositz, Nylon oder Kreditkarte. Dabei würde doch alles mit Hanf gehen. Doch knallharte wirtschaftliche Interessen verhindern bislang den Siegeszug von Hanf.

Die menschliche Rasse hängt vom Öl ab. Und dies in einem riesigen Ausmass. Eine Tatsache, der sich kaum jemand bewusst ist. Stimmt, wir alle wissen um das Benzin in den Autos auch sind sich viele von uns darüber im Klaren, dass der Plastik, aus dem unzählige Dinge angefertigt sind, seine Ursprünge im Öl hat.
Doch nehmen Sie einen beliebigen Apfel. Schauen Sie ihn sich gut an, drehen und wenden Sie ihn. Stellen Sie sich vor, wie der Apfel an einem weit entfernten Baum zu wachsen beginnt. Während seines Wachstums wird der Apfel immer wieder mit giftigen Pestiziden besprayt, die meist aus Öl gewonnen werden. Der Mann, der dies erledigt, trägt Handschuhe aus PVC und eine Schutzbrille aus Plastik sowie schützende Nylon-Kleidung.
Ist er gepflückt, begibt sich der Apfel auf die Luft-, See- oder Landreise. Zu jenem Laden, in dem er dem Konsumenten feilgeboten werden soll. Egal mit welchem Transportmittel der Apfel unterwegs ist, angetrieben wird es stets mit Öl, vergiftet also die Atmosphäre.
Im Laden angelangt, mag es sein, dass der Apfel in Verpackungsmaterial eingehüllt wird, das auf Öl basiert. Die von Ihnen benutzte Kreditkarte, das Kassen-Förderband, die Nylonkleider der Kassiererin, die Einkaufstüten - alles Plastik. Werfen Sie auf dem Nachhauseweg einen Blick auf das Armaturenbrett ihres Wagens, auf die Sitze, die Sitzgurte, den Teppich, das Steuerrad und das Chassis aus Fiberglas. Überall Öl drin.

Der plastifizierte Mensch
Heute mutieren wir nicht zum Science Fiction-Androiden, sondern zu seinem billigeren Cousin aus Plastik. Mit unserem Aussehen unzufrieden, "verbessern" wir unsere Brüste und Waden mit Plastik. Durch unsere zunehmende Kahlheit in Verlegenheit gebracht, lassen wir Nylonfasern in unsere Kopfhaut einweben. Schwerhörig? Ein Hörgerät aus Plastik sorgt für Abhilfe. Kurzsichtig oder bloss unzufrieden mit der Farbe der Augen? Einfach eine Kontaktlinse einsetzen. Keine Zahnbürste aus Plastik mit Borsten aus Nylon benutzt? Kein Grund zu Sorge, für solche Fälle gibt es ja Plastik-Gebisse. Wenn das Herz langsamer zu schlagen beginnt, die Glieder schwächer werden oder die Blase ein Eigenleben zu führen beginnt, sind Herzschrittmacher aus Plastik, Prothesen und Katheter zur Stelle.

Der schwarze Tod
Die Welt von heute hat ihren Ursprung in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts: mit der Entwicklung der petrochemischen Industrie. Interessanterweise wurde zur selben Zeit (und meistens durch dieselben Leute, die sich auf für die Plastikindustrie verantwortlich zeigten) jenes Produkt verboten, das noch mehr Eigenschaften als Öl besass. Ein Produkt, das zudem frei von jeglichen negativen Nebeneffekten war und ist: Hanf. Mit Öl aus Hanf können Autos betrieben und Plastik sowie Seife hergestellt werden. Hanf ist ein Produkt, dessen Fasern man zu Kleidern oder Papier verarbeiten kann und dessen Samen zu den nährreichsten Substanzen überhaupt gehören.
Wegen US-Tycoons wie DuPont oder Randolph Hearst, deren finanzielle Interessen der Plastik- beziehungsweise der Papierindustrie galten, wurde der Gebrauch von Hanf verboten (von dem man übrigens drei Tonnen rauchen müsste, um davon high zu werden). Dies zur selben Zeit, wie das mit dem Hanf verwandte Produkt Marihuana dem Drogengesetz unterstellt wurde.
Um die Droge, die nie Droge war, zu ersetzen, bohren wir immer tiefer in den Planeten hinein. Wir können uns eine Welt ohne Öl gar nicht mehr vorstellen. Wir verleugnen, dass wir die Möglichkeit hätten, uns von diesem Produkt abzunabeln. Um die momentane Situation aufrecht zu erhalten, sind wir bereit, das Gesetz zu brechen, notfalls sogar zu töten. Nur um das billige "schwarze Gold" konstant weiterfliessen zu lassen. Wir alle sind süchtig nach Öl.

Von Jeremy Smith
Artikel modifiziert Freitag 19. Dezember 2003 14:40, Erscheinungsdatum Freitag 19. Dezember 2003 14:38

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