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Thuns Gemeinderat schaut hin

2004/08/25 - Der Bund

Mit einer Plakatkampagne will der Thuner Gemeinderat Eltern kiffender Jugendlicher aufrütteln.

Vor gut einer Woche erliess die Thuner Berufsschule ein Kiffverbot, da die zunehmende Zahl bekiffter Schülerinnen und Schüler die Qualität des Unterrichts beeinträchtige. Gestern zog der Thuner Gemeinderat nach und bezeugt mit der Lancierung einer Plakatkampagne auch seine Entschlossenheit, gegen den Cannabis-Konsum des Thuner Nachwuchses ins Feld zu ziehen.
Warum der Hanf-Aktivismus am Thunersee? Kiffen Thuns Jugendliche mehr als ihre Altersgenossen in der übrigen Schweiz? "Nein," winkte Gemeinderat und Sozialvorsteher Andreas Lüscher gestern vor den Medien ab: "Aber in Thun schaut man halt nicht einfach weg."
"Kiffen schon mit 12? - Wir schauen nicht weg", heisst denn auch das Motto der Kampagne, die Lüscher gestern im Namen des Gemeinderats vorstellte. Zwischen 35 und 50 Plakate in verschiedenen Grössen werden bis Ende September am Bahnhof, in Einkaufszentren und an weiteren neuralgischen Punkten Thuns prangen. 70 Werbeträger will die Stadt in die Thuner Busse hängen.

Eltern mit verschlossenen Augen
Die in den Wappenfarben Thuns gestalteten Werbeplakate stellen wahlweise eine Frau oder einen Mann mit verdeckten Augen dar. Sie symbolisieren laut Lüscher Eltern, die gegenüber dem Drogenkonsum ihrer Kinder die Augen verschliessen. Unten auf dem Plakat zeichnet der Gemeinderat der Stadt Thun in grossen Lettern als Urheber der 26’000 Franken teuren Plakat-Aktion.
Gemäss Philipp Weber, Thuner Beauftragter für Suchtfragen, kiffen laut Studien 25 Prozent der Jugendlichen regelmässig, sechs Prozent greifen täglich zum Joint. In Thun selbst seien keine Daten erhoben worden, man berufe sich aber auf empirische Beobachtungen. Demnach habe nicht nur die Zahl der jungen Kiffer kontinuierlich zugenommen, auch das Einstiegsalter habe sich nach unten verschoben. Nicht selten machten Kinder heute iher ersten Cannabis-Erfahrungen mit 12 oder 13 Jahren.

"Halt sagen und Halt geben"
Diese Entwicklung hat der Gemeinderat mit Sorge verfolgt und nach Gesprächen mit der Drogenfachstelle Contact Thun-Oberland beschlossen, die kiffenden Jugend nicht mehr länger widerspruchslos gewähren zu lassen.
Die Plakat-Aktion richtet sich aber nicht an die jgendlichen Kiffer selbst, sondern an die Eltern, die dem Kiff-Problem ihrer Kinder vielfach hilflos gegenüberstünden. Gerade Kinder könne der Cannabis-Konsum in ihrer Entwicklung beeinträchtigen, betonte der Thuner Jugendbeauftragte Daniel Landis. "Eltern müssen daher Nein sagen lernen", ihre Kinder "fördern und fordern", ihnen "Halt sagen und Halt geben".
Die Plakate sollen den schönen Worten nun auch Taten folgen lassen. "Aufrütteln" sollen sie und den Eltern zeigen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine seien. Betroffene Eltern wissen nun auf jeden Fall den Thuner Gemeinderat im Rücken, der den Thunern laut Lüscher "als moralisches Vorbild dienen und vor dem Problem die Augen nicht verschliessen will".

Niklaus Nuspliger

PS: Dank Repression hat die Zahl der Hanfläden spürbar abgenommen. "Wir haben aber beobachtet, dass dies die Kiffer auch in die "Hände von Drogensüchtigen und Dealern treibt. Für mich ist ganz klar: Es braucht eine Entkriminalisierung und ein wirklich wirksames Schutzalter."

Philipp Weber, Koordinationsstelle für Gesundheits- und Suchtfragen der Stadt Thun in der "BZ" vom 19.8.2004.

Erscheinungsdatum Donnerstag 23. September 2004 12:52

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