Versuch eines Porträts

Der Versuch eines Porträts von Chanvre Info ergibt einen Versuch, die Vielseitigkeit der Pflanze und die verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Reaktionen in der Schweiz zu beschreiben.

Der anspruchslose Biorohstoff Hanf bedeutet für die Landwirtschaft einen Ausweg aus ihrer Produktionsmisere. Die vielen Verwendungsmöglichkeiten der verschiedenen Pflanzenteile sind langsam bekannt, bzw. wiederentdeckt. Jetzt gilt es, sie auf sinnvolle und moderne Weise umzusetzen.

Diese Situation ruft in der Schweiz und dem benachbarten Ausland die diversesten Reaktionen hervor: Die Bauern sehen ein neues Erzeugnis, welches einfach anzubauen ist. Klassische Hanfartikel wie Schnüre, Seile, Säcke, Papier sind wieder erhältlich. Es werden die ersten Häuser mit Hanf erbaut. Die Medizin setzt sich erfolgreich mit den Anwendungen als Heilmittel auseinander. Die Modebranche fabriziert Kleiderkollektionen aus Hanfmaterialien. Die Kosmetikbranche entdeckt Hanföl als Bestandteil für ihre Cremes. Hanfhaltige Getränke verschiedenster Art kommen auf den Markt. Die Coop verkauft Hanf in Teebeuteln. Die ersten Autos werden mit Hanf gebaut und fahren mit mit Biodiesel aus Hanf erzeugt. Die Ämter und die Industrie reagieren je nach Produkt und Situation hysterisch bis euphorisch. Die Polizeimeinung wechselt von Kanton zu Kanton. Richter werden ausgewechselt. Das Ausland ist erschreckt und vom Pioniergeist fasziniert.

Hier überall greift Chanvre Info ein: Als Info-Ring mit 4000 Leserinnen und Lesern mit einem dreimonatlichen Info-Versand, mit politischer Aufklärung, der Vorstellung neuer Tendenzen im In- und Ausland und praktischen Verhaltenstipps für den Alltag. Als Öffentlichkeitsarbeiter, z.B. mit Standpräsenz am Comptoir Suisse 2000 und an der Mednat. Als notorischer Gerichtsfall, der die Grenzen des Erlaubten in Frage stellt und mit seinem Rechtsdienst bereits verschiedenen "Opfern" geholfen hat. Als Rohstoff-Abnehmer, der mit etwa 20 Landwirten, vor allem aus der Westschweiz zusammenarbeitet. Als weiterverarbeitender Betrieb, welcher verschiedene Zwischen- und Endprodukte selber entwickelt und herstellt. Als Absatzkanal, der mit seinen drei Läden in Murten, Neuchâtel und Biel das je nach Ort Zugelassene verkauft. Als Internet-Pionier mit einem Versandkatalog mit 350 Hanfartikeln aus ganz Europa und Kontakten von Kanada bis China.

Chanvre Info hat sich zum Ziel gesetzt, biologisch aufgezogenen Freiland-Hanf zu fördern, und zwar im Rahmen des gesetzlich Erlaubten. Das Gesetz muss bloss interpretiert werden!

Pflanzung: Etwa 20 Landwirte, vor allem aus der Umgebung, pflanzen Hanffelder für Chanvre-Info. Alle erledigen als Winterarbeit auch erste Schritte der Verarbeitung.

Versuchs- und Musterbetrieb: In einem sich im Umbau befindlichen Landwirtschaftsbetrieb oberhalb Murten wird die Weiterverarbeitung ausgeführt. Die diversen Pflanzenteile werden getrennt und für die verschiedenen Anwendungen sortiert, gerüstet, geschreddert, abgepackt, usw. Es werden ebenfalls Versuche wie die Gewinnung von Öl aus den Samenkernen fortgeführt.

Medizin: Immer mehr ärztliche Rezepte für Hanf werden ausgestellt, vor allem als Schmerzmittel und zur Linderung von Krankheiten wie Gicht, Rheuma, multiple Sklerose usw. Gleichzeitig wird er auch als "Hausmittelchen" wiederentdeckt. Chanvre Info beliefert sowohl Kranke als auch pharmazeutische Institute und Produzenten im In- und Ausland. Dieses Jahr werden wir zum dritten Mal an der "MedNat" teilnehmen.

Jugendschutz: Chanvre Info beharrt auf der Ausweispflicht. Es erhalten nur Personen Ware, deren Personalien bekannt sind und mindestens 18 Jahre alt sind.

Läden: Chanvre Info ist Grossist und beliefert verschiedene Hanfläden in der Schweiz. Gleichzeitig verfügt es über Filialen in Biel und Neuchâtel. Auf Grund der Gerichtspraxis im Kanton Neuenburg werden dort nur klar legale Artikel wie unsere Kleiderlinie und Kosmetika verkauft. Die Situation in Biel erlaubt auch den Verkauf von Tees und Essenzen. In Murten hingegen geschieht der Verkauf "direkt ab Hof".

Bekleidung: Dank unserem Exklusiv-Vertrag mit dem tschechischen Produzenten Hemp Dog aus Prag verfügen wir über ein eigenes Sortiment an modischer Oberbekleidung.

Gesetz: Wir halten uns prinzipiell an die gesetzlichen Vorschriften. Das Problem besteht häufig in der Auslegung durch Beamte und Gerichte. Aber die Hanfpflanze mit ihren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten macht es dem Staat auch nicht gerade einfach...

Export: Frankreich, Deutschland und andere Länder kaufen offiziell Hanf in der Schweiz. Wir verfügen über Interessenten aus Australien, Kanada, Belgien usw. etc. Wenn bloss die Zollvorschriften nicht so abschreckend wären!

Know-How-Transfer: Wir unterstützen in Lyon zwei Gruppen von Hanffreundinnen und -freunden. Diese versuchen vor allem mit dem in der Schweiz gewonnenen Wissen über die medizinischen Anwendungen die offziell knüppelharte Haltung des französischen Staates aufzuweichen.

Politik: Klar sind wir für eine volle Legalisierung des Hanfanbaus und des -konsums in der Schweiz. Der Anbau, die Vermarktung und der Konsum sollen jedoch ökologisch, regional und auf vernünftige Weise erfolgen. Eine totale Freigabe hinsichtlich Anbau (Stichwort Indoor-Pflanzungen zur Erzeugung von sog. "Skunk"), Absatz (Supermarkt, Grosskonzerne), Produkte (Haschisch, Extrakte) und Konsumenten (Jugendschutz) lehnen wir jedoch ab.

Vernetzung: Wir engagieren uns bei: Verein Schweizer Hanffreunde, Schweizerische Hanfkoordination, ACM Association cannabis medical, Verein Freiburger hanfproduzierender Bauern.

Murten, 8. Februar 2001
Artikel modifiziert Freitag 7. November 2003 14:17, Erscheinungsdatum Dienstag 4. November 2003 00:00
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