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Wie eine SVP-Politikerin die Drogenpolitik sieht

2004/06/15 - Tages-Anzeiger

Die Süchtigen einzusperren und zum Entzug zu zwingen, ist menschlicher"
"Der Nationalrat hat sich für eine gesunde Gesellschaft entschieden", freut sich Sabina Geissbühler. Seit 14 Jahren kämpft sie als Präsidentin der Vereinigung Eltern gegen Drogen für eine harte Repression in der Drogenpolitik. Am 14. Juni hat ihre Stunde geschlagen. Der Nationalrat hat entschieden, nicht auf die Revision des Betäubungsmittelgesetzes einzutreten.

Die Motivation für ihr Engagement schöpft die SVP-Politikerin aus der Bibel. Jedes Leben sei ein Wunder, sagt sie, doch wer sein Leben mit Drogen kaputt mache, verstosse gegen die Schöpfung. Dennoch hat Sabina Geissbühler die Drogensüchtigen in ihr Herz geschlossen. Das Gesetz der Nächstenliebe gebiete ihr das. Jeden Dienstag geht sie in Bern auf die Gasse, um mit Drogenabhängigen zu sprechen.

Dabei ist sie zum Schluss gekommen, dass die kontrollierte Drogenabgabe ihr Ziel verfehle. "Es ist unmenschlich, Junkies süchtig zu halten", sagt sie. An einen langfristigen Erfolg der Drogenabgabe will sie nicht glauben, Massnahmen müssen sofort wirken, um Geissbühler zu überzeugen. Menschlich wäre ihrer Ansicht nach, wenn Drogensüchtige in einer Klinik einsperrt und sofort zum Entzug gezwungen würden. "Den Süchtigen fehlt der Wille zum Entzug, deshalb müssen wir nachhelfen".

Glaube an die Familie
Sabina Geissbühler wünscht sich eine Gesellschaft ganz ohne Drogen - und nicht eine, in der die Menschen Rauschmittel mit Mass konsumieren. "Wir müssen eine Situation schaffen, in der Jugendliche keine Bedürfnisse nach Drogen haben" (sehr richtig, aber ausser der Repression hat die SVP offenbar keine weiteren Vorschläge!), fordert sie. Und erzählt von ihrer Familie, in der Drogen - auch Alkohol - nie ein Problem gewesen sei. Obwohl sie ihre vier Kinder auf geradezu autonome Weise erzogen hat: Sie mussten nicht in den Kindergarten und durften schlafen, so lange sie wollten. Ihre Mutter, die diplomierte Turnlehrerin, hat sie jedoch liebevoll umsorgt und lange darauf verzichtet, ihrem Beruf nachzugehen. Wenn die Familien zusammenhielten, würden auch weniger Drogen konsumiert, glaubt Geissbühler.

Nun, da die Gefahr einer liberalen Drogenpolitik vorläufig abgewendet ist, will sich Sabina Geissbühler aus dem Präsidium von Eltern gegen Drogen zurückziehen. Seit ihre Kinder erwachsen sind, hat sie wieder mehr Zeit für Hobbys: Erst vor zwei Jahren hat sie begonnen, Saxofon zu spielen, und sie eilt nun von Probe zu Probe.

Diese platten Kommentaren einer SVP-Politikerin sind ein typisches Beispiel für die selbstgerechte und unrealistische Art gewisser Kreise, gesellschaftliche Probleme anzugehen.

(David Schaffer)
Artikel modifiziert Montag 5. Juli 2004 12:51, Erscheinungsdatum Montag 5. Juli 2004 00:00

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