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Zöllner entdeckten doppelt so viel Cannabis

Es kommt wieder deutlich mehr Haschisch und Marihuana über die Grenze. Der Zoll zog 2005 doppelt so viel Stoff ein wie im Jahr zuvor. Dafür wird immer weniger Hanf exportiert.

Tages-Anzeiger; 27.Januar 2006

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Von Verena Vonarburg, Bern

Der grösste Coup wurde offenbar im Raum Basel gelandet: Schweizer Grenzwächter fanden an einem Tag im letzten Jahr gegen 100 Kilogramm Cannabis ineinem Lastwagenversteck. Genauereswill Andrea Canonica, Betäubungsmittelexperte des Grenzwachtkorps, aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt geben. Nur so viel noch: Man habe die Ware auf dem Nord-Süd-Transit abfangen können. Das Cannabis war anscheinend aus Holland unterwegs.

Zu diesem grossen Schmuggelfall gesellten sich 2005 etliche mittlere und kleinere, und zusammen brachten sie 296 Kilogramm Cannabis auf die Waage, wie Walter Pavel, Sprecher der Oberzolldirektion, dem TA bestätigt. Im vergangenen Jahr wurde demzufolge nahezu doppelt so viel Marihuana und Haschisch beschlagnahmt wie im Jahr vorher. Da waren es laut Bund 157 Kilogramm.

Kein Exportland mehr

Und damals hatte Grenzwachtkorps-Chef Jürg Noth die deutliche Abnahme gegenüber früheren Jahren etwas vorschnell mit dem rigorosen Vorgehen der Polizei in Zusammenhang gebracht: Der Hanftourismus nehme eben stark ab. Doch dem war, wie die jüngsten Zahlen zeigen, im Bereich des illegalen Imports nicht so.

Ohne Zweifel Gültigkeit hat Noths Analyse dagegen für den Schmuggel aus der Schweiz, den Export von Schweizer Hanf. Seit das Parlament in Bern im Sommer 2004 die Entkriminalisierung von Kiffern abgelehnt hatte und seit die Polizei in den Kantonen gegen Schweizer Hanfläden und Schweizer Hanfproduzenten wieder härter vorgeht, ist der Export von Hanf kaum mehr ein Thema. «Wir haben noch ein paar Fälle», sagt Canonica vom Grenzwachtkorps, «aber auch unsere Nachbarländer stellen fest, dass das praktisch aufgehört hat.» Die Situation sei nicht mehr zu vergleichen mit dem Hanfboom Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre.

Steigender Import bestätigt Fachleute

Präzise Aussagen zu einem Schwarzmarkt sind natürlich nie zu haben, und Schmuggelstatistiken hängen auch vom Zufall ab: davon, was die Polizei gerade erwischt, und wie viel. Doch dass der Import tendenziell steigt, erstaunt die Betäubungsmittelspezialisten beim Bundesamt für Polizei nicht. Man verfügt zwar noch nicht über gesicherte Zahlen zu letztjährigen Drogenfällen in den Kantonen, geht aber ebenfalls davon aus, dass der Import von Cannabisprodukten in der Schweiz wieder zugenommen hat.

Auch der Drogenfachmann Roger Liggenstorfer ist wenig erstaunt, dafür aber besorgt: Es sei exakt das eingetroffen, was sie, die Befürworter einer Hanflegalisierung, vorausgesagt hätten: Der Cannabishandel sei nun zu einem beträchtlichen Teil Domäne organisierter Banden.

Gefahr vermischter Szenen

Die enormen Gewinnmargen in diesem Geschäft lockten professionelle Grosshändler an - nicht nur, aber auch ausländische Gruppen seien es, sagt Liggenstorfer. Und die kleinen Händler würden aus dem Markt gedrängt, «sind entweder Konkurs gegangen oder im Gefängnis». Zudem würden die Händlerszenen harter und weicher Drogen wieder vermischt. Das ist der Schreck aller Eltern und Drogenfachleute: Händler, die Jugendlichen nicht nur Gras und Marihuana, sondern auch Pulver und Pillen härterer Art anbieten.

Beim Cannabis war aber nicht alles, was an der Grenze erwischt wurde, für den Import gedacht. Canonica, der Drogenkenner beim Zoll, sieht die Schweiz nämlich durchaus auch als Hanftransitland für den Nord-Süd-Warenhandel. Doch gelegentlich werde die Schweiz ebenso bewusst umfahren - weil hier noch das Risiko einer Grenzkontrolle drohe. Diese Zollkontrollen werden bleiben, auch wenn die Schweiz als Schengen-Mitglied die Personenkontrollen abschaffen wird.

Und so werden auch weiterhin Schmuggelstatistiken zu interpretieren sein. Diese letztjährige verzeichnet neben mehr Cannabis weniger Kokain als im Rekordjahr 2004, dafür mehr Ecstasy. Dazu hat vorallem ein grosser Fund am Zollübergang Chiasso Brogeda beigetragen. Im September entdeckten die Zöllner im Wagen eines Holländers 150 000 Ecstasy-Pillen. Sie waren für Italien bestimmt.

Artikel modifiziert Donnerstag 2. Februar 2006 04:27, Erscheinungsdatum Donnerstag 2. Februar 2006 00:00

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