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Junge Kiffer im Visier der Drogenhändler

Seit die Schweiz vermehrt gegen Hanfläden vorgeht, müssen Cannabis-Raucher ihren Stoff wieder bei Drogenhändlern beziehen. Die Gefahr, dass sie auf harte Drogen umsteigen, wächst. Experten warnen: Dealer seien die Nutzniesser des Parlaments-Entscheides, Cannabis nicht zu entkriminalisieren. In vielen Gegenden der Schweiz hat die Polizei in den vergangenen Monaten vermehrt Razzien gegen Hanfläden oder -Plantagen durchgeführt. Die Pflanzungen wurden zerstört, die Produkte beschlagnahmt und die Läden geschlossen. Im Tessin blieben von ehemals 75 Betrieben noch zwei übrig.
"Wir sind besorgt über die Entwicklung. Es war uns bekannt, dass man in etlichen Läden Cannabis oder Cannabisprodukte kaufen konnte, damit hatte es sich aber", sagt Sandra Meier, die Sprecherin des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).
Drogendealer, so wird berichtet, verlangen rund 70 Franken für ein Gramm Heroin, verglichen mit 15 Franken für die gleiche Menge Cannabis. Um mehr Geld zu machen, versuchten Drogenhändler das teurere Heroin zu verkaufen, sagt Meier gegenüber swissinfo.
"Damit steigt die Gefahr, dass Kiffer nicht nur Cannabis beziehen, sondern auch Heroin oder andere harte Drogen."
"Vor allem junge Leute rauchen Cannabis. Sie sind in diesem Alter besonders gefährdet, denn sie sind, je nach Lebenslage, auch besonders beeinflussbar", fügt Meier bei.

Grosse Gefahren
Der Psychiater Thilo Beck, der in Zürich in der Poliklinik für diversifizierte Betäubungsmittel-Behandlungen tätig ist, sagt, dass es keine Beweise dafür gebe, dass der Konsum von Cannabis zu härteren Drogen führe.
Doch könnten junge Leute in Versuchung geraten, mit härteren Drogen zu experimentieren, wenn sie ihnen angeboten würden. Die Entscheidung, Cannabis nicht zu entkriminalisieren, führe nur zu Unsicherheit und das sei die eigentliche Gefahr, sagt er gegenüber swissinfo.
"Meiner Ansicht nach neigt jeder gesunde Jugendliche in diesem Alter dazu, zu experimenten und Dinge auszuprobieren."
"Worüber wir nicht so glücklich sind, ist die Tatsache, dass Marihuana den harten Drogen gleichgestellt wird - und dieser Vergleich ist einfach nicht ernsthaft zulässig. Unsere Arbeit würde viel erleichtert, wenn die verantwortlichen Leute diese beiden Sachen auseinander halten könnten."
Im Juni verhinderte der Nationalrat, die grosse Parlamentskammer, Bestrebungen für ein neues Betäubungsmittel-Gesetz. Zum vierten Mal seit Dezember 2001. Die kleine Parlamentskammer, der Ständerat, hatte auf die Revision eintreten wollen.

Starke Verbreitung
Gemässs Angaben der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme kiffen in der Schweiz rund 500’000 Personen regelmässig. Das sind rund 7% der Gesamtbevölkerung. Die Rate sinkt nach dem 30 Altersjahr.
In der Schweiz werden zwischen 300 und 500 Hektaren Hanf angebaut.
Das Bundesamt für Gesundheit unterstützte die Bestrebungen für ein zeitgemässes Betäubungsmittel-Gesetz. "Ein Gesetz soll die gesellschaftliche Realität widerspiegeln", sagt BAG-Direktor Thomas Zeltner. "Es hätte eine staatliche Kontrolle der Cannabis-Verkäufe erlaubt."
BAG-Sprecherin Sandra Meier ergänzt, dass das Scheitern eines neuen Betäubungsmittel-Gesetzes nun die Kantone zwinge dem heutigen Gesetz Nachdruck zu verschaffen. Eine Tatsache, welche sowohl Vertretern der Polizei und der Lehrervereinigung missfällt.
"Die Situation ist unbefriedigend. Die Polizei muss nun ihre beschränkten Ressourcen dafür verwenden, Kiffer aufzuspüren. Und die Schwierigkeiten bei der Suche nach einer tragfähigen Lösung des Problemes , wird den Behörden auch weiterhin Kopfzerbrechen bereiten." sagt Meier.

swissinfo, Elisabeth Meen (Aus dem Englischen übertragen von Urs Maurer)

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Erscheinungsdatum Dienstag 23. November 2004 13:00
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