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Hanf-Bewegung rüstet zur Expo

2001/02/10 - Freiburger Nachrichten

Im Murtner Prehl will "Hanf-Info" eine eigene "Expo Hanf 2002" durchführen.
Die Expo Hanf 02 mobilisiert die grosse Schweizer Hanf-Gemeinde. In Murten soll in einem Bauernhof eine Hanf-Expo stattfinden, und auch auf den anderen Arteplages ist der Hanf präsent.

Ein Musterbetrieb in Sachen Hanf.

Bauernbetrieb im Murtner Prehl stellt auf Hanfanbau und Hanfverarbeitung um.
Im vergangenen Jahr noch hatte ein Untersuchungsrichter die Durchsuchung eines Hanflokals an der Murtner Bernstrasse und eines Bauernbetriebes in Clavaleyres veranlasst. Der Geschäftsinhaber verbrachte mehrere Tage in Untersuchungshaft. Er liess sich aber nicht unterkriegen: Jetzt setzt er auf Expansion.

Die Firma "Hanf-Info" hat sich auf Anfang dieses Jahres im Bauernbetrieb "Château au Praell" eingemietet. Besitzer Martin Gutknecht weist mit Stolz darauf hin, dass es sich dabei um einen Herrschaftssitz von Louis d’Affry, einem Günstling Napoleons und ehemaligen Landammann, gehandelt hat. In seinem Werk über die Kunstdenkmäler des Seebezirks findet Hermann Schöpfer gar eine erstmalige Erwähnung des Gebäudes 1638 unter dem Besitz des Jost von Diesbach.
Mit dem Einmieten von "Hanf-Info" im Vorderprehl ist eine rege Umbautätigkeit im Bauernbe- trieb eingekehrt. Nicht die in Mitleidenschaft gezogene Rokoko-Fassade, sondern vor allem der Ökonomieteil erfährt beträchtliche Änderungen.

Ausstellung, Verarbeitung, Anbau
André Fürst, Geschäftsführer und Inhaber von "Hanf-Info", beschreibt die Veränderungen wie folgt: Im ehemaligen Kuhstall entsteht eine Ausstellungshalle, neue Fenster werden eingebaut, ein Büro soll es geben, dazu sanitäre Einrichtungen und eine Garderobe.
Eine Ecke wird zu einem Hanfbearbeitungsraum, Pressmaschinen für Hanfsamen werden installiert, ein Silo ist am Entstehen. Vor dem Bauernhof werden noch dieses Jahr zwei Felder, insgesamt drei Hektaren, mit Hanf angebaut.
"Agrarhanf", präzisiert André Fürst. Nicht der vom Bundesamt für Landwirtschaft angepriesene Hanf, der gentechnisch behandelt ist, und auch nicht den "spitzen" Hanf, nach dem die Kiffer so wild sind. Ganz normalen biologisch abbaubaren Agrarhanf.

"Hanf-Presskuchen für die Schweine"
Besitzer Martin Gutknecht hat bisher auf dem "Château du Praell" herkömmliche Landwirtschaft betrieben, er hat aber vor zwei Jahren die Viehhaltung aufgegeben. "Das Problem ist die Agrarpolitik", sagt er. So war er auch offen, einen Teil des Betriebs dem Hanf-Projekt zur Verfügung zu stellen. Einem Projekt, das nicht auf Bundessubventionen aus sei.
Gutknecht selber wolle in reduziertem Mass weiterhin traditionelle Landwirtschaft betreiben. Immer noch führt er einen Schweinestall. Gutknecht sei an der Firma "Hanf-Info" nicht beteiligt, höchstens dass die Schweine vielleicht einmal Presskuchen aus der Hanföl-Produktion zum Fressen bekommen.
Mit "Hanf-Info" hat er einen notariell abgesicherten Mietvertrag abgeschlossen. Er wie auch André Fürst sind sich bewusst, dass dieser "Versuchs- und Musterbetrieb" ein unternehmerisches Risiko darstellt.
Es könne durchaus sein, dass der Untersuchungsrichter wieder komme und den Betrieb schliesse, sagt Fürst. Aus diesem Grund hat er die Firma auf mehrere Standorte und mehrere Kantone abgestützt. So werden inskünftig Produkte in je einem Hanfladen in Neuenburg und in Biel verkauft.

Provozieren in Neuenburg...
In Biel gibt es bereits mehrere Hanfläden, aber deren Produkte stammen nicht aus jenen Sorten, die "Hanf-Info" bevorzugt. Man wolle ein Gegengewicht setzen zu den Sorten mit Giftdüngung und die eigenen Ideen in Biel verbreiten. Nicht kiffen, sondern therapieren.
Mit dem Laden in Neuenburg, so bekennt André Fürst, wolle man vor allem auch provozieren. Neuenburg sei nämlich gegenüber Hanf einer der restriktivsten Kantone, und man wolle dort vor allem etwas bewegen. Bereits hätte sich in Neuenburg ein Staatsanwalt gemeldet und die Verkäuferin darauf hingewiesen, wie leicht man Hanf zum Drogenmissbrauch verwenden könnte. Als Beispiel habe der Staatsanwalt die Katzenstreu aus dem Sortiment erwähnt.

...informieren in Murten
Mit dem Hanf-Zentrum im Prehl hingegen suche man keineswegs die Provokation, auch wenn die Freiburger Justiz ebenfalls als sehr restriktiv gilt.
Die Produkte, welche letztes Jahr im Laden an der Bernstrasse vom Untersuchungsrichter beanstandet wurden, führe er nicht mehr im Angebot. Der Laden soll im Verlauf der Zeit aufgegeben werden, ebenso der Bauernhof in Clavaleyres.
Gemäss einem schriftlichen Beschrieb hat André Fürst im Bauernhof im Prehl folgendes vor: "In Landwirtschaftsbetrieb wird die Weiterverarbeitung ausgeführt. Die diversen Pflanzenteile werden getrennt und für die verschiedenen Anwendungen sortiert, gerüstet, geschreddert, abgepackt usw. Es werden ebenfalls Versuche wie die Gewinnung von Öl aus den Samenkernen fortgeführt."
Ein wichtiges Anliegen ist gemäss dem Geschäftsführer die medizinische Anwendung. Immer mehr ärztliche Rezepte für Hanf würden ausgestellt, vor allem als Schmerzmittel und zur Linderung von Krankheiten wie Gicht, Rheuma oder Multipler Sklerose. Auch alte "Hausmittelchen" aus Hanf würden wieder entdeckt.
Als Grossist will die Firma zudem eine Kleiderlinie und Kosmetika in den Läden verkaufen.

"Jugendschutz wird respektiert"
Fürst betont, dass man sich prinzipiell an die gesetzlichen Vorschriften halte, allerdings bestehe ein Problem in der Auslegung der Gesetze durch Beamte und Gerichte. Für ihn ist vor allem die Linie des Bundesrates massgebend, wobei er hofft, dass dieser sich in der nächsten Zeit zu einer liberaleren Politik durchringt. Davon hänge auch die Ausrichtung von "Hanf-Info" ab.
"beharrt auf der Ausweispflicht", hält André Fürst schriftlich fest. "Es erhalten nur Personen Waren, deren Personalien bekannt sind und die mindestens 18 Jahre alt sind."
Der Geschäftsführer denkt auch nicht, dass die Nähe zum Schulhaus Prehl, welches im Sommer eingeweiht wird, zu Problemen führt. "Ich habe auch Kinder im Schulalter", meint er. "Ich habe selber ein grosses Interesse daran, dass aus ihnen einmal etwas Rechtes wird. Ich bin überzeugt, dass wir den Betrieb so im Griff haben, dass es diesbezüglich keine Schwierigkeiten geben wird." Der Betrieb im Murtner Prehl soll für Fürst schweizweit Vorzeigecharakter haben. Er könnte sich auch vorstellen, dass in anderen Gegenden des Landes weitere solche Betriebe folgen. Wohl ist sich Fürst bewusst, dass von der Justiz her der Kanton Freiburg kein einfaches Pflaster ist, aber man habe bewusst die Sprachgrenze gesucht. So könne man die Ideen auch in die welsche Schweiz tragen.

"Alles Verdiente in die Information"
Für Fürst ist "Hanf-Info" nicht nur eine Firma, sondern auch eine Art politische Bewegung. Es gibt einen Verein "Hanf-Info", dem rund 5000 Mitglieder angeschlossen seien. Diese werden vierteljährlich mit einer Informationsschrift versorgt.
Der Verein war auch am Comptoir Suisse 2000 vetreten, betreibt einen Rechtsdienst und gibt sich als Internet-Pionier mit Kontakten bis nach China. Und der kommerzielle Aspekt? Fürst bestätigt, dass das Geschäft floriert. Es gebe Exporte nach Frankreich, Deutschland, England, Kanada oder Australien. Durch die Razzia im letzten Jahr habe Hanf-Info viel Gratis-Publizität bekommen und davon eigentlich nur profitiert.
Profit sei nicht "das vordringlichste Ziel", erklärt André Fürst. Alles Verdiente werde wieder in die Hanf-Bewegung investiert. Er selber habe "keis Föifi" mehr als am Anfang seiner Hanf-Geschäftstätigkeit. Alles fliesse wieder in die Information, alleine ins Internet habe er 250 000 Franken investiert.
Für den Betrieb im Murtner Prehl rechnet er mit Investitionen von 500 000 bis 750 000 Franken. Wann diese amortisiert sein sollen, kümmert ihn eigentlich gar nicht. Hauptsache, der Hanf wird in der Schweiz gesellschaftsfähig.

Artikel modifiziert Mittwoch 5. November 2003 17:02, Erscheinungsdatum Sonnabend 10. Februar 2001 00:00
Hanf Info > Presse-Revue > 2001
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